Jan 262012

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Siem Reap / Kambodscha

332.Reisetag

16.548 Kilometer

Brandgeruch dringt in unsere Nasen. Die abgeholzten,  weiten Flächen hinter dem Grenzübergang Laos/ Kambodscha brennen noch an einigen Stellen. Nur wenige, größere Bäume stehen in der leicht welligen Landschaft. Am Rande der nahezu leeren Straße warnen uns überall Schilder vor Minen  – wo sollen wir hier pausieren oder gar zelten? – Wir radeln bis in die nächste Ortschaft und suchen uns eine Unterkunft.

Am Morgen wird der Brandgeruch beißender; es ist viel Kunststoff,  der hier am Ortsrand allmorgendlich mit anderem Müll in Brand gesetzt wird. Doch der leichte Wind über dem Mekong trägt den Ruß davon, während wir durch eine Reihe, muslimisch geprägter,  Dörfer pedalen. Doch bald durchmischen sich die Konfessionen – im abendlichen Guesthouse  versichert uns der Hausherr, dass wir in einem christlichen Haus schlafen würden. Später stellt sich heraus, dass er selbst lieber der Lehre Buddhas folgt und zudem die Geister der Umgebung befragt; aber für ein Haus, so versichert er uns, sei es gut, wenn es christlich wäre – er hat über der Tür ein Kreuz montiert.

Weiter durch Reisfelder; der Wind schiebt und wir kommen gut voran. Die kleinen Dörfer bestehen aus Holzhütten auf Stelzen. Wer Geld hat, deckt sein Dach mit Ziegeln, ansonsten schützen Palmenblätter vor Sonne und Regen. Auf Ochsenkarren werden die Leihbatterien für die abendliche Beleuchtung ausgefahren. Nach dem Batteriekarren folgt der Karren mit den Eisblöcken. Sie kühlen die Cola -Dosen, die pünktlich zur Mittagspause irgendwo in einer Eistruhe am Straßenrand auf uns warten.

Heute haben wir die Touristenhochburg Siem Reap erreicht. Ab Morgen wollen wir das größte, sakrale Bauwerk der Welt, die Tempel von Angkor Wat,  bestaunen.

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Jan 202012

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Don Det Island / Laos
326. Reisetag
15.977 Kilometer

Hinter uns im Zimmer des Stelzenhauses summt der Ventilator über dem Moskitonetz. Wir schaukeln in Hängematten auf der Terasse und schauen über die Brüstung in den Strom; auf dem Holzboden brenne ich eine Antimoskito-Duftspirale ab. Ein leichter Wind macht die Hitze des Abends angenehm. Langsam werden die Sterne am Himmel heller und die Grillen beginnen ihr tropisches Konzert. Über den Fluss knattern Longtailboote in schneller Fahrt – das letzte Licht nutzend. Sind es 16.000 Km bis zum Paradies?

Auf der Terrasse neben uns geht das Neonlicht an, der Tabak ist spurlos aus der Hängematte verschwunden und wird gesucht – die Sterne am Himmel verblassen. Hinter ein paar Bambusmatten erklingt das immer gleiche Lied – eine junge Frau mit Dreadlocks kann diese Nacht nicht genug von dem 20er-Jahre Schlager bekommen.  Unser weißhaariger Nachbar, mit dem modisch großen Brillengestell,  kehrt allein in sein Stelzenhaus zurück, er bekommt die Tür nicht mehr auf und schläft in der Hängematte ein – diese Nacht hat er keine Angst vor Malaria. Am Strand des Mekong zündet unser Hausherr den (durch den Tourismus verursachten) Abfall des Tages an – die Asche spült der Mekong vom Sand, zuvor verfängt sich eine verwehte Tüte noch an der Pumpe, die die Dusche unserer Herberge mit dem nötigen Mekong-Nass versorgt – Schwaden von brennendem Kunststoff ziehen durch die Nacht.

Viertausend Inseln in Laos; sicher ein Paradies für die vielen „Individualreisenden“, die wir in Laos nur hier treffen und die viel von dem „Happy“ bestellen, dass in einigen Lokalen zu Cocktails und Pizza angeboten wird.

Für uns reichen zwei Nächte „Paradies“, wir verlassen morgen die Insel im Mekong mit einem Longtailboot und pedalen weiter Richtung Süden zur kambodschanischen Grenze.


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Jan 172012

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Pakse / Laos

15.816 Kilometer

323. Reisetag

Die Sonne ist, hinter den für uns namenlosen Bäumen, in die rote Erde hinein untergegangen. Die noch immer stickig, heiße Luft ist erfüllt vom Zirpen unzähliger Grillen; zwischendurch ruft ein Vogel in die Dunkelheit. Wir sitzen noch eine Weile, der Nacht lauschend, vor dem Zelt und schauen in den Sternenhimmel. Seit Monaten wölbt er sich des Nachts über uns; heute scheinen die vielen Sterne jedoch besonders hell zu leuchten. Der Mond wird erst gegen Morgen aufgehen und ihr Licht verblassen lassen.

Es ist ein Abend an dem man sich von der Welt beschützt fühlt und die Gedanken laufen lässt. Wir pedalen in diesen Tagen durch ein sehr schönes Reiseland. Die Hauptstraßen sind wenig befahren und die unbefestigten Nebenstraßen landschaftlich bezaubernd. In allen Dörfern treffen wir auf freundlich winkende Menschen und die kleinen Läden geben immer genug her um nicht zu hungern – endlich ist es warm und wir in einem Land, in dem man niemanden beleidigt, wenn man mit kurzen Hosen pedalt. Dennoch, es gibt  Momente, in denen man deutlich spürt, dass es nicht reicht das gleiche dreckige Wasser zu trinken um bei den Menschen in Laos anzukommen. Wir sind hier immer die Fremden. – Fremden winkt man hier freudestrahlend zu, aber sie gehören nie dazu; werden freundlich beobachtet aber nie integriert.

Laos ist eine sehr geschlossene Gesellschaft, wenn wir über staubige Pisten in entlegene Dörfer pedalen hören wir von weitem die Rufe „Falang,-Falang“ (Fremde,Fremde). Die Kinder und auch ältere Menschen rufen sich die Nachricht zu und dann kommen sie herbei um zu schauen. – Es sind weiße Radreisende, die über und über mit rotem Staub bepudert sind. Als wir in einem Dorf halten um nach dem Weg zu fragen, fängt eine alte Frau an, an meinem Schienenbein zu kratzen – ist der Mensch unter dem Staub nun rot oder weiß?

So beschützt man sich in der roten Landschaft unter dem Sternenhimmel auch fühlen mag, in Laos bleibt man ein „Falang“.

Jan 122012

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Thakhek / Laos

318. Reisetag

15.426 Kilometer

Wasser tropft von meinem Mützenschirm auf das Visaformular, meine Unterschrift verschwimmt. Als ich dem laotischen Grenzbeamten das Formular reiche zittere ich vor nasser Kälte in meinen durchweichten Regensachen. Doch der kleine Uniformierte akzeptiert das beschädigte Formular, platziert je einen Visums -Aufkleber in unseren Pässen und heißt uns mit einem „sabaai-dii!“  in Laos willkommen.

10 Kilometer radeln wir noch im Regen den Grenzpass hinab, bis die laotische Sonne den Himmel erobert und das waldreiche Land  in warmes Licht taucht.

Laos gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt; wir sind im ärmsten Land unserer bisherigen Reise angekommen. In den Dörfern die wir durchradeln leben die Menschen in Stelzenhäusern aus Holz, die kleinen Dorfläden sind leer – bis auf Kekse und Seife kann man nur wenig erwerben, daher liegt kaum Müll am Straßenrand. Doch die Dorfbewohner strahlen eine entspannte Zufriedenheit aus. Auch als wir auf einer unbefestigten sehr holperigen Piste landen und uns der rote Staub des Landes um die Beine weht sind wir froh in Laos angekommen zu sein.

Am Abend erreichen wir keinen Ort mit Unterkunft, die Bodenwellen schlucken viel Energie, wir schlagen unser Zelt hinter einem Feld auf einer kleinen Weidefläche auf und schlafen gut in der Mondhellen ersten Nacht im „Reich der millionen Elefanten“.

Schon wieder ein neues Land. Deshalb, wie gewohnt, unser Länderabschluss unter Route/Archiv Vietnam.

Jan 072012

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Vinh / Vietnam

313. Reisetag

15.125 Kilometer

Der schmale Feldweg endet und unsere Reifen versinken im weichen Sand. Wir haben das Ende des Eurasischen Kontinents erreicht – vor uns schlagen die flachen Wellen des Süd-Chinesischen Meeres auf den Strand. Glücklich schauen wir uns an; hier wollen wir eine Nacht dem Wasser lauschen, bis es Morgen und Übermorgen in westliche Richtung nach Laos geht.

Wir sitzen vor unserem Zelt und schauen noch ein wenig in die Dunkelheit und auf die Wellen, ein Fischerboot ist auf dem Wasser zu erkennen. Es ist sieben Uhr und bereits seit eineinhalb Stunden dunkel. Andreas sagt gerade, dass er sich auf seinen warmen Schlafsack und sein Buch freut, als ich Männerstimmen am Strand höre und Andreas bitte seine Kopflampe zu löschen.

Ich spüre den Griff meines geöffneten Klappmessers am Schenkel, als wir und unser Zelt von vier Taschenlampen angeleuchtet  werden und sechs Männer durch die lichten Bäume vom Strand auf uns zugehen. Zwei tragen eine Uniform und alle schauen sich wachsam unser Zelt und den kleinen Wald an.

Umständlich notiert sich der Uniformierte unsere Namen und alles was er sonst noch so Interessantes im Pass findet. Einem älteren Mann dauert dies alles zu lange. Er beginnt mit seinem Schlagstock in unseren Sachen zu stochern, als ich mit ernster Miene unseren Wasserkessel aus seiner Reichweite nehme, wendet er sich Andreas zu und bedeutet ihm, dass wir einpacken sollen.

Zwei Stunden später; wir sitzen vor einem Hotelzimmer und schauen noch ein wenig in den Nieselregen. Er hatte eingesetzt, während wir die Räder über den Strand auf die nächtliche Nationalstraße rollten.  Auch ohne ein einziges verstandenes Wort war uns, nach dem der Uniformierte uns unsere Pässe wieder ausgehändigt hatte, klargemacht worden, dass kein Diskutieren hilft und wir den Platz zu räumen haben.

Es gibt so viel Kleines, Schönes, Schreibenswertes im Land; Hotel – Lobbys, in denen betende Männer auf dem Boden sitzen, trommeln, Räucherstäbchen abbrennen und so ihrer verstorbenen Ahnen gedenken; Vietnamesen, die im damaligen Bruderstart DDR (Deutsche Demokratische Republik) lebten und nun gerne ein wenig mit Deutschen plaudern; aufgeregte Kellnerinnen, die sich an unseren Tisch stellen und gedankenversunken mit Andreas dreckigen Radhandschuhen auf der noch dreckigeren Tischplatte umherwischen, aber all das rückt in den Hintergrund, wenn man auf der vollen und von Schlaglöchern durchzogenen AH1 (Hauptstraße durch Vietnam; verbindet Hanoi mit HoChiMinh City/ ehemals Saigon) von vorbeirauschenden LKW mit Schlamm bespritzt wird.