Wir sind umherspaziert, haben jeder ein Buch gelesen, uns den aktuellen Tatort im Internet angeschaut, in der Mediathek Hörspiele gefunden und zum Schluss haben wir nur noch auf die Hotelzimmerwand gestiert und die Zeit davon fließen sehen – Ein Iran-Visum haben wir dennoch nicht im Pass.
Trotzdem schwingen wir uns morgen auf die Räder, Zentral-Anatolien und Kapadokien wollen endlich erradelt werden. In Sachen Visa haben wir Plan- B anlaufen lassen. Eine Visaagentur in Berlin wird sich jetzt um die richtige Referenznummer zur richtigen Zeit am richtigen Ort kümmern – Ich wäre äußerst glücklich wenn die es schaffen.
Morgen früh werden wir also noch einmal durch Ankara rennen. Formulare drucken, Umschläge kaufen, Bilder kleben und dann zur Post.
Auf unseren Spaziergängen durch Ankara waren wir oft verwundert, wie eine Stadt in solch einzelne Stücke zerfallen kann. Hier ein zerfallenes Dorf, auf dessen Straßen die Kinder spielen und die Mütter mit Kopftuch aus den schiefen, zerschlagenen Fenstern schauen, und dort, nur ein paar Schritte weiter, eine europäische Einkaufszone mit Frauen in Miniröcken. Wieder weiter ein Park mit türkisblauem Teich und dahinter das geometrische Mausoleum von Atatürk. Eine schnell gewachsenen Stadt, in der die Fugen zwischen Ihren Stadtteilen noch offen sind.
