Und täglich grüßt der Muezzin Istanbul
Mai 102011

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Istanbul / Türkei

71. Reisetag

3950 Kilometer

„Tööt, tööööt“ permanent hört man Hupen – es wird gegrüßt, erinnert und hingewiesen. Die Einfahrt in eine türkische Stadt ist immer laut.

Die Einwohnerzahl von Istanbul wird sehr unterschiedlich angegeben. Offizielle Quellen sagen 13 Mio., aber man liest auch von 17 oder 19 Mio. Einwohnern in der rapide wachsenden Stadt.

Wir lange würden wir brauchen um vom Rande der Stadt ins Zentrum zu gelangen – ist das überhaupt an einem Tag zu schaffen und welche Straße ist die Beste? Sollen wir uns am Bosporus von Norden der Stadt nähern, oder einfach einer Schnellstraße folgen?

Von Winterhude (einem zentralen Stadtteil von Hamburg) bis an die Grenze der Stadt (Rahlstedt) zu radeln, ist für uns im Sommer häufiger Alltag. 1,25 bis 1,5 h benötigt man für die ca.15km. Schlechte Radwege und ungünstig getaktete Ampeln hindern einem am Vorankommen. Doch Hamburg ist mit seinen 1.8 Mio. Einwohnern eine Kleinstadt gegen Istanbul und Radfahrer in diesem Teil Europas echte Exoten.

Auf einer im Bau befindlichen, teilweise zweispurigen Schnellstraße (Nr.010) näherten wir uns am Sonntag der Stadt. Den breiten Seitenstreifen hatten wir für uns, daher entschieden wir dieser Straße einfach zu folgen. Auch wenn die Ausschilderung auf unsere Karte nur schwer nachzuvollziehen war, waren wir uns sicher, eine so gut ausgebaute Straße muss das Ziel Istanbul haben! Die Straße führt an Einfamilienhaussiedlungen, niedrigen Wäldern und militärischen Anlagen vorbei.

An einem großen Kreisel mussten wir uns entscheiden – für uns ging es ab nun per Kompass immer weiter nach Süd-Ost durch eng bebautes Stadtgebiet. Bereits nach 20km zogen wir die Helme und Warnwesten am Taksimplatz (Zentraler Punkt in Istanbul) aus. Wir waren bergauf und bergab, durch Tunnel und Überführungsbrücken geradelt. Der Istanbuler Verkehr war völlig unbeeindruckt um uns herum gekreist. In dem quirligen Durcheinander, dass mit dem Hochgeschwindigkeitsverkehr in deutschen Städten wenig zu tun hat, ist die erste Regel  simpel: einfach in Bewegung bleiben und sich nicht durch die schiere Masse der Autos, Fußgänger und Straßen abschrecken lassen.

Nach sechs Tagen wildem Zelten im ländlichen, europäischen Teil der Türkei, vielen Höhenmetern, frostigen Nächten und starkem Gegenwind freuen wir uns in Istanbul erreicht zu haben.

Wir genießen die Stadt, die beeindruckende Architektur, die quirligen Verkaufsstraßen, die bewegenden nächtlichen Ausblicke am Bosporus und das Gefühl es bis hier geschafft zu haben. Wie viel Zeit wir in Istanbul verbringen werden, ist davon abhängig, wie schnell wir unsere Visa für die Einreise in den Iran erhalten.

P.S.: Wir haben jetzt den Abschluss Bulgarien verfasst und, wie gewohnt, unter Route eingestellt.

2 Antworten to “Bis zum Ende Europas”

  1. admin sagt:

    Hallo Dennis,

    vielen Dank für den Tipp mit dem Fahrradladen. Haben inzwischen sämtliche Magurabremsklotz-Vorräte der Fahrradläden in der Innenstadt aufgekauft;)
    Danke auch für die Wünsche.
    Johanna & Andreas

  2. Dennis Boldt sagt:

    Willkommen in Istanbul!

    Das Abenteuer Fahrradfahren in Istanbul habt ihr also auch überlebt. Aber wieso habt ihr nur 20 km gebraucht? Wir hatten letztes Jahr vom Stadtrand bis nach Eminönü etwa 45 Kilometer auf dem Tacho und dafür einen ganzen Tag (bei etwa 40°C) gebraucht.

    Wir sind der Meinung, dass es in Istanbul drei Verkehrsregeln gibt. 1. Die Hupe sollte so laut und schräg wie möglich sein. 2. Größere Fahrzeuge haben immer Vorfahrt — und als Fahrradfahrer ist man maximal Fußgänger. 3. Dann gelten mehr oder weniger die offiziellen Regeln.

    Basierend auf dem Kommentar “Magura Bremsklötze sind hier schwer zu bekommen” möchte ich auf den folgenden Fahrradladen hinweisen. Der ist sehr gut mit europäischen Ersatzteilen ausgestattet. Der ist direkt neben bei der Moschee/Shell-Tankstelle: http://www.dennis-boldt.de/outdoor/map.php?id=fahrradladen_istanbul — vielleicht hilft das noch weiter.

    Istanbul war letztes Jahr unser Umkehrpunkt (seit Bulgarien wart ihr in etwa auf unseren Spuren). Bei Euch geht das Abenteuer Asien erst los. Ich wünsche weiterhin viel Spaß auf Eurer Weltreise!

    Dennis

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