Xining / China
225. Reisetag
11.951 Kilometer
Wie durch einen Schleier
Heute ist die Hochebene eintönig grau. An uns ziehen Ölfelder, endlose Kiesflächen und weite Steppen vorbei. Alles erscheint merkwürdig leblos im beginnenden Regen.
Durch die Windschutzscheibe des Linienbusses nach Xining, erreicht uns die, manchmal subtile, Schönheit des Qaidam Pendi (Hochplateaus) nicht. Der Wind im Gesicht, die Kälte an den Händen und die langsame Lichtveränderung des Tages über der stillen Landschaft gehen verloren.
Doch wir haben uns nach verschiedenen Überlegungen entschieden für knappe 1000 Kilometer auf diese Schönheit zu verzichten und unser Räder, zwischen Säcke, Ballen, Beutel und Felle, in einen Bus zu verstauen. Es eröffnet sich eine neue Welt für uns – im Schlafbus sind wir ganz nahe dran an den gurgelnd, rotzenden Chinesen und an den Hühnerfüßen, die während der 20h Fahrt vernascht werden.
Kein „Saft“ mehr in meinen Beinen
In dieser einsamen Landschaft sind wir auf die Zuverlässigkeit unserer Körper angewiesen. Immer wieder müssen wir die nächste Siedlung erreichen und auch die dahin schmelzenden Tage unseres Visums „sitzen uns im Nacken“. Doch da mein Darm seit einigen Wochen seinen gewohnten Dienst nur noch unzureichend erledigt, wollen seit ein paar Tagen auch meine Beinmuskeln nicht mehr die volle Leistung erbringen .
Alles in allem kein großes Problem, aber meine Beine müssen wieder ordentlich mit Nährstoffen versorgt werden – also ab in eine Apotheke, den Wirkstoff Metronidazole kaufen und weiter geht es.
Wir wollen keine Tigerknochen
In der Apotheke wollte man uns gerne bedienen, aber mit den vorrätigen Knochenpülverchen, Schlangengiften und Krallenpasten (oder anders gesagt, traditioneller chinesischer Medizin), wollten wir uns nicht helfen lassen. Wir kauften daher Bustickets.
Wer hilflos guckt und lächelt, wird in China „an die Hand genommen“
In der Provinzhauptstadt Xining liefen wir nach ein paar erfolglosen Apothekenbesuchen zum Krankenhaus. Wie kleine Kinder irrten wir durch die Abteilungen und Gänge. Im Keller griffen uns zwei Schwestern auf, auch Sie hatten Schwierigkeiten die lateinischen Buchstaben, mit denen ich den Wirkstoff auf einem Zettel notiert hatte, zu lesen, doch sie brachten uns zur hauseigenen Medikamentenausgabe. Erst ein junger Arzt „googlete“ sowohl Wirkstoff und auch Krankheit in seinem i-Phone und übersetzte für die beiden Schwestern auf chinesisch.
Andreas heißt jetzt Mr. Biloun
Für die Rezeptbeschaffung bekam Andreas noch den chinesischen Namen Biloun (wer kann schon Krüger schreiben, geschweige denn verstehen). Weiter ging es zum nächsten Fenster, 1,66 Yen (ca. 0,20 €) wurden fällig, bis uns die zwei Schwestern am dritten Fenster stolz zwei Medikamententütchen entgegenstreckten.
Begegnet man so viel Geduld auch im deutschen Gesundheitssystem?
Stolz können die Beiden auch sein. Denn sie haben es mit viel Zeiteinsatz und Mühe geschafft, uns, die wir uns hier einfach nicht artikulieren können, adäquat zu helfen. Danken möchten wir auch Betti vom BCRT (Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin), die uns mit guten Infos, hilfreich zur Seite stand.
Nicht planen zu dürfen fällt mir schwer
Der Plan war, in Xining unser Visum zu verlängern, doch andere Reisende rieten uns davon ab. Zu viele Visumstage hätten wir noch im Pass, und die Behörde in Xining sei dafür bekannt, nur wenige neue Tage zu gewähren.
In ein paar Tagen gibt es dann auch wieder Fahrräder auf Andreas Fotos
Dennoch ein abschließender Satz, der in die Zukunft weist. Wir müssen uns in der Stadt wieder einmal um unser Zelt kümmern (ein weiterer Reißverschluss hat seinen Dienst quittiert), beim Ausruhen und Erholen noch ein wenig den grandiosen Blick aus unserem Hotelzimmer genießen und auf dem Rad sitzend, später einfach nach Süden abbiegen. In der Provinz Gansu warten spannende und wohl endlich auch grüne Bergwelten auf uns.

Hallo, Ihr Beiden,
fast 12.000KM mit dem Rad, das klingt doch irgendwie unwirklich,
aber ich kann quasi mit eigenen Augen an einer Radtour teilnehmen.
Ich will´s mal verraten: Ich bin als 12 – 18 Jähriger jedes Jahr
3 Wochen mit dem Rad auf Tour gewesen aber in Jugendherbergen.
Eure Busfahrt will ich mir gar nicht so genau vorstellen.
Und nun, nach langer Zeit, zur Abwechslung mal richtige Häuser.
Bunte, vielsagende Bilder und schöne Langzeit Belichtungen aus
einer fernen Metropole. Danke dafür.
(Sieht auf jeden Fall wie eine richtige Metropole aus)
Ein Super Modell diese Nähmaschine beim Schuhmacher!
Gönnt euch etwas Pause
und erholt euch gut.
PS
und warum heißt es im Volksmund der leiert „Gebetsmühlen artig“….?
(sieheUntertitelFoto24)
Gruß
Eberhard
Hi
Ich habe mein Visum in Lanzhou verlängern lassen (im Juli 2011) Hatte meine Visumsverlängerung nach 2,5 Tagen. Hier lohnt es sich einen Abholtermin für die Visa auszumachen – konnte so noch einfach einen Tag heraushandeln.
Wenn ihr rechts neben der Haupt-Polizeistelle das extra Gebäude für die Visa-Anträge gefunden habt dann einfach in den ersten Stock und dort findet ihr dann die Visums-Abteilung.