Chengdu / China
253. Reisetag
Bauarbeiter bearbeiten den Sockel der hochhausgroßen Mao-Statue mit Schlaghämmern – die roten Fliesen fallen auf den weiten Tianfu-Platz. Andreas sucht nach dem idealen Aufnahmewinkel, doch jedes Foto bildet nur das verwaschene grau des smogverhangenen Großstadthimmels ab.
Stunden später sind die umliegenden Hochhäuser bunt erleuchtet. Farbbänder laufen um die Fassaden der Bauwerke. Zu Maos Füßen ertönt Musik. Sie ergänzt die kitschige Romantik des rosa angeleuchteten Springbrunnens, dessen Fontänen vergängliche Herzen formen.
Chengdu hat 12 Millionen Einwohner. Viele von Ihnen leben in neu entstandenen Hochhausvierteln am Rande des Zentrums. Die modernen Siedlungen sind umfriedet; jeder Eingang wird von Wachpersonal geschützt.
Unser Hostel liegt in Zentrumsnähe. Das dreistöckige, gelbe Haus steht im Innenhof einer älteren Wohnsiedlung. Vor unserem Fenster findet der familiäre Alltag der Chinesen statt. Viele der Balkone sind zu Küchen umfunktioniert. Die selbst entworfenen Glassfassaden sind unterschiedlich ausgeführt, doch ihr verwittertes Grau eint sie.
Auf dem Weg zu unserem Lieblings- Supermarkt, laufen wir durch moderne Geschäftsstraßen. H&M hat hier eine Filiale, auch an C&A kommen wir vorbei; dann steigen wir auf die erste Fahrtreppe. Vorbei an endlosen Regalen mit Socken, Unterwäsche, Zahnpaste, Cremes und Seifen bahnen wir uns unseren Weg zum Kühlregal. Seit zwei Monaten können wir endlich einmal Butter und Käse kaufen, sogar niedersächsisches Vollkornbrot findet sich.
Mit einer vollen Tüte stehen wir auf dem Bürgersteig. Der Verkehr ist hier auch für Fußgänger anspruchsvoll – selbst der höchste Bordstein bietet keinen Schutz vor Mopeds, Dreirädern und Elektrorollern. Doch wir erreichen unsere Straße und ich kaufe noch ein wenig Obst an einem mobilen Fahrradrikscha- Stand.
Heute früh durften wir unsere Visa abholen und für Morgen haben wir ein Busticket zurück zu unseren Fahrrädern gekauft. Um beim Abholen der Pässe eine freundliche Bittstellerin sein zu können, musste ich mir viel Mühe geben, denn der Umgang der Beamten mit Antragstellern ist beeindruckend herablassend.

Hi,
We left you in dogubayazit and now you’re in middle of China.
Your pictures are unbelievable.
Thanks to make us continue the tour.
Antoine et Elodie from France.
Hallo ihr Beiden,
seit dem letzten Reisebericht sind nun schon einige Tage vergangen!
Langsam mache ich mir Sorgen und hoffe das alles “im Lot” ist!
Gruß Eberhard
Die Fahrradspur auf Bild 21 gefällt mir!
Und wie lange gilt jetzt euer Visum?
Daumendrück für die nächsten km!
Martin