Wir haben 60 km „geschummelt“ Nachtfahrt
Jul 142011

AKR_6035 (640x425)Chubar / Iran

136. Reisetag

6517 Kilometer

“Today i got two calls, that there are tourists on the street” (Zitat unseres  heutigen Gastgebers)

Wir hocken auf einem großen Perserteppich, vor uns eine Veranda und dahinter ein Kiwihain. Grillen Zirpen und Vögel singen – in zwei Stunden holt uns unser Gastgeber, der uns, wie unter iranischen Englischlehrern üblich, von der Straße pickte, aus seinem Zweithaus ab und wird uns den Strand vom Kaspischen Meer zeigen.

Zuvor waren wir mit 40 km/h in die Depression geradelt. Das Kaspische Meer liegt 30 m unter NN, es ist  somit der Tiefpunkt unserer Reise. Da mein Magen sich entschieden hat, nur noch Butterkekse und Cola zu mögen (Kamillentee und Zwieback sind leider nicht zu bekommen) war die Abfahrt von über 1500 m eine gute Erholung für meine schlappen Beine. Mit dem Verlust der Höhe, hat sich die Landschaft geändert. Es ist feucht warm geworden, die von Abgaswolken umwehte Straße wird von Reisfeldern umsäumt, hinter denen die grünen Berge aufragen. Links von uns liegt hinter Zitrus- und Kiwibäumen das grünschimmernde, Kaspische Meer. Es wird durch große russische Flüsse im Norden gespeist und verfügt über keinen Ablauf. Eigentlich ist es daher der größte Binnensee der Welt.

Aber viel spannender ist für Euch womöglich, was mit uns geschah, nachdem wir den letzten Blogartikel online stellten. Andreas ärgerte sich noch darüber, dass er keine Bildergallerie hochladen konnte und neben uns am Rechner saßen unsere belgischen Freunde, die ebenfalls mit dem Rad Richtung Osten unterwegs sind, als ein Polizist den zu niedrigen Raum des Coffee-Net betrat. „There is a little problem, pleas come to my position!“ das Englisch des Polizisten reichte nicht wirklich für einen Austausch, aber mit Hilfe von 10 Beamten und drei Polizeiautos machte man uns klar, dass wir mit zur örtlichen Wache zu kommen hätten. Unsere Pässe lagen, wie im Iran leider üblich, gegenüber des Internet-Cafes im Hotel. Doch auch nach mehreren Minuten freundlichen Überredungsversuchen, durften wir sie nicht holen. Aus unserer Sicht konnte aber die Überprüfung unserer Visa, dass einzige sein, was die Polizei interessieren konnte. Es ging also ohne Pässe im Konvoi auf die Wache und zu viert nahmen wir auf einer Bank im Büro Platz. Andreas wurde alleine an einen Schreibtisch beordert. Er sollte Angaben zu allen Personen machen und erklären woher wir Celine und Jeroun kennen. Danach geschah nichts mehr. Wir saßen über zwei Stunden auf der Bank und sahen der nächtlichen Verbrecherjagd zu. Mutmaßliche Einbrecher wurden gefesselt und durchsucht und immer wieder versuchte einer von uns einen Beamten zu fragen, wieso man uns unseres Schlafs beraubte, doch keiner gab Auskunft. Wir gaben uns mühe nicht zu laut über die diletantisch anmutende Arbeit der unglaublich vielen Polizisten zu lachen, die permanent Papierstapel von einem Schreibtisch zum anderen trugen. Mitten in der Nacht nach über zwei Stunden durften wir wieder in ein Auto steigen und wurden ohne Erklärung in unser Hotel geleitet. Es war wohl einfach schon verdächtig, dass vier Ausländer um 22:00 Uhr, darunter zwei Frauen, in einem Coffee-Net saßen – schließlich hätte es ja sein können, dass wir dort hübsche Landschaftsaufnahmen des Iran ins Netz hätten stellen wollen.

Fotos?:

Zwar in reduzierter Aufloesung. Aber immerhin!

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