235. Reisetag
12.311 Kilometer
Drei Menschen treiben die übermannshohe Gebetsmühle an, als wir den quadratischen Raum betreten. Bei jeder vollendeten Drehung erfüllt ein heller Glockenklang die Welt der Betenden. Die Pilger verlassen das kleine Gebäude, laufen weiter um den Tempelbezirk. Auf ihrem Weg liegen unzählige, mit Mantras beschriftete und gefüllte, Zylinder. Andere Buddhisten kommen, greifen nach der riesigen Mühle und wieder klingt die Glocke – ein paar Minuten stehen wir im Halbdunkel und beobachten diese fremde Welt.
Kleine Straßen führen uns über hohe Pässe und in eine herbstlich, bunte Bergwelt. Auf jedem Pass wehen Gebetsfahnen und auf sonnigen Gipfeln oder in kleinen Dörfern erblicken wir buddhistische Klöster. Seit dem Tod Maos 1976 sind neben dem Komunismus auch wieder andere Weltanschauungen in der Volksrepublik China zulässig. Die Partei hat erkannt, dass der Glaube an Gleichheit allein die Menschen, in ihrem wirtschaftsfixierten China, nicht mehr befriedigen kann. Sicher wird aus Bejing ein Auge auf die religiösen Zentren geworfen, doch wir beobachten hier ein sehr prosperierendes Kloster- und Mönchsleben.
Neben den tibetischen Buddhisten, denen wir hauptsächlich als Nomaden, Pilger oder Mönchen begegnen, treffen wir in größeren Dörfern und Städten auf muslimische Laden- und Garküchenbesitzer. Von ihnen lassen wir uns unsere neu erstandene Isoflasche mit heißem Wasser füllen und uns einen Tee servieren, wenn wir durchnässt von kalten Bergpässen ins Dorf rollen.
In Tongren wollte keiner für Visafragen verantwortlich sein, hier in Hezou gab es erst mal einen grünen Tee auf dem PSB (Pubic Security Bureau) und dann erklärte uns der freundliche Mittarbeiter, dass wir mit der Verlängerung lieber noch ein paar Tage warten sollten. Alle noch verbleibenden Tage würden bei einer Verlängerung verfallen und wir sollten uns nicht so große Sorgen machen, eine Ablehnung der Verlängerung sei „impossible“!

Viiiiel Glück auf der weiteren Tour!
Die aktuellen Nachrichten aus der Osttürkei rund um Van sind ja sehr besorgniserregend.
Mögen eure Reißverschlüsse mit euch sein!
Ich drück’ euch weiter alle Daumen.
Martin
“Mittagspause: Wir trocknen Regensachen und Schlafsaecke”, ein wohl bekanntes Bild.
Sehr schön zu sehen, dass ihr nicht mehr permanent Sandwüste zu sehen bekommt. Wie possible “impossible” ist — ich bin gespannt.