171. Reisetag
9145 Kilometer
Usbekistan putzt sich heraus. An den Straßenrändern verteilen sich im gesamten Land Frauen in orangenen Warnwesten. Mit viel Aufwand wird bewässert, gesäubert, gesammelt, gehackt und beschnitten. Am 01.September 2011 feiert Usbekistan seine 20 jährige Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Doch die Vergangenheit ist auch für uns noch deutlich zu spüren.
Auf dem Rad sitzend konnten wir kurz hinter Samarkand das Hinweisschild „Taschkent 280 km“ deutlich lesen, doch genau so sicher wissen wir, für uns ist die Strecke über 100 km länger. Denn ohne kasachisches Visum ist die Hauptstraße zwischen den beiden usbekischen Zentren für uns tabu. Ein Großteil der zentralasiatischen Infrastruktur stammt aus der Sowjetzeit und orientiert sich nicht an den heutigen Staatsgrenzen. So verlaufen Straßen und Schienen immer wieder für einige Kilometer auf fremdem Staatsgebiet und zwingen uns, weite Umwege über schlecht ausgebaute Nebenstrecken zu fahren.
Doch ganz gleich ob Haupt- oder Nebenstrecke, alle zwei bis drei Stunden passieren wir in Usbekistan eine Polizeikontrolle. Meist dürfen wir mit unseren Rädern unkontrolliert weiterfahren, Touristen scheinen nicht auf dem „Speiseplan“ der, als korrupt geltenden Miliz (Bezeichnung der usb. Polizei), zu stehen.
Vier Tage sind wir durch belebte Baumwollfelder und ärmliche Dörfer geradelt, unzählige Eselskarren und Schlaglöcher haben wir passiert, bis wir die sowjetisch anmutende Hauptstadt der Usbeken, Taschkent, erreichen.
Nach einigem Suchen in der weitläufigen Stadt, beziehen wir im staatlichen Hotel im Hauptbahnhof Quartier. Gut bewacht sitzen wir hier in einem sauberen Raum. Wer den Bahnhof betreten will, muss Fahrkarte und Reisepass vorweisen. Andernfalls braucht man einen Hotelschlüssel, um die Polizeisperre vor dem öffentlichen Gebäude passieren zu dürfen. Glück hat hier ebenfalls, wer Tourist ist, denn von unserem Fenster aus können wir gut beobachten, wie genau so mancher Landsmann von der Polizei durchleuchtet wird (oder war der Usbeke vielleicht doch ein Kirgise – wieder verstehen wir zu wenig, um Details erkennen zu können).
Mir selbst fällt es schwer, bei jedem Betreten der U-Bahn meine Tasche mit freundlicher Mine von Uniformierten durchsuchen zu lassen. Ja, ich habe Metall dabei und nein, ich möchten die militärisch wichtige Atomschutzbunkeranlage (U-Bahn) nicht in die Luft jagen – aber ich würde sie unglaublich gerne fotografieren! An den Wänden Marmor oder wunderschöne Mosaike, an den Decken kunstvolle Leuchter und auf den Schienen kultige Wagen. Doch auf den Bahnsteigen und in den Durchgängen der taschkenter U-Bahn wimmelt es von Offiziellen. Wir sehen keine Chance für ein Foto, ohne mit der Staatsgewalt in Konflikt zu geraten. Auch die Billetverkäuferin und die Fahrtreppenfrau schauen mit postsowjetischer Arroganz in die Luft. Verstehen können wir dies alles nicht, denn wir würden ein solch imposantes Bauwerk gerne und stolz der Welt präsentieren.
Wenn wir an die freundliche Landbevölkerung denken, können wir es kaum glauben, aber unter Travelern hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Usbeken lieber alleine ihre Unabhängigkeit feiern und so um den 25.08. ihre Grenzen schließen werden. Eine Grenze nach Tadschikistan ist bereits dicht. Unser Kirgistan-Visum beginnt am 25.09. eine frühere Einreise ist daher nicht möglich. Ein bisschen fühlen wir uns, wie die Maus in der Falle. Die deutsche Botschaft schrieb uns auf unsere Anfrage, dass eine Grenzschließung durchaus möglich scheint, der kirgisische Botschafter in Taschkent berichtet, dass die Grenzschließung wohl nur für Kirgisen und Usbeken Gültigkeit hat und eine Antwort von der usbekischen Botschaft in Berlin steht noch aus. Wir haben entschieden, dass bei so viel Unklarheit nur ausprobieren hilft.
Gerade betritt Andreas den Raum. Er wollte die Stadt ein wenig mit der Kamera einfangen. Doch genervt zeigt er mir seine geringe Ausbeute. Nach zwei Polizeikontrollen von Zivilfahndern ist ihm die Lust vergangen – irgendwie ist in dieser Stadt jedes Gebäude von nationalem Interesse.

Verfolge euren Trip von Anfang an =). Super toll “Neid”
Und ich stelle mir immer die frage wie Du Deine Kamera Staubfrei halten kannst ?? Kein Dreck auf den Sensor “Unglaublich” oder wechselst Du nie?
Sonnige Martin
Wieder mal ein toller Bericht! Ich freue mich auf mehr! Bis her war ich eher der stille Leser…
Grüße aus der Pfalz!
nico