Tongren/ China
230. Reisetag
12.133 Kilometer
Ich ziehe den Reissverschluss des Zeltes auf, kleine Eiskristalle fallen auf mich herab. Die erste Dämmerung hatte mich geweckt. Mein Blick geht über ein weites Tal. Bäume und die Kuppeln dreier tibetischer Tempel verstecken sich im nächtlichen Nebel. Nur Ihre Spitzen lassen sich, vor den noch dunklen Bergen im Osten, erahnen.
Die Daunenjacke wärmt gut; verschlafen laufe ich ums Zelt. Andreas zündet den Benzinkocher; erhitzt das kristallisierte Wasser im Kessel. Minuten später rühre ich Milchpulver, Haferflocken, Trockenfrüchte und Nüsse in unsere Schalen – wir genießen die Wärme in unseren Mägen, als die Sonne über die Bergkuppe steigt.
Es ist Herbst geworden in den teils bewaldeten Bergen von Qinghai. Die Straßen führen uns entlang großer und kleiner Ströme durch eine bunt verfärbte, schroffe Landschaft. Auf den Pässen wehen Gebetsfahnen im ewigen Wind. Hier am Gelben Fluss leben hauptsächlich Tibeter, Tu und muslimische Salar. Ihre traditionelle Kleidung unterscheidet jede Volksgruppe.
War die Bevölkerung der Wüste doch eher zurückhaltend, kommen die Menschen hier wieder neugierig auf uns zu und begutachten unsere Fahrräder. Wer sich traut, macht ein Foto von den beiden Exoten.
Sehr froh sind wir über unsere chinesische Weltkarte, da es uns noch immer nicht gelingt das Wort für „Deutschland“ verständlich auszusprechen. Wir sind uns sicher, dass es „de guo” ausgesprochen wird. Doch sooft wir uns zu erklären versuchen, schauen wir in fragende Augen. Nach einem Blick auf die Weltkarte werden wir dann je nach Tal und Stadt belehrt – ihr kommt aus „dee gua, der qua, drä qua, du qua“ oder, oder, oder.
Wir hoffen weiter auf einen sonnigen Herbst, denn obgleich wie immer weiter nach Süden pedalen, wird es für uns in den nächsten Tagen kälter. Unser Weg wird uns wieder auf deutlich über 3000 m führen. Um nicht auch noch gegen die Zeit Reisen zu müssen, wollen wir hier in Tongren unsere Visa verlängern lassen- es ist eine der wenigen Bezirkshauptstädte auf unserer weiteren Route.

He ihr Beiden,
ich staune und erfreue mich über diese wunderschönen Aufnahmen!
Ich drücke euch weiterhin beide Daumen, passt auf euch auf und
gute Fahrt.
Eberhard
Moin,
diesen Bericht finde ich besonders schön und die Fotos sowieso!
Eure Räder sehen, soweit man das auf den Fotos erkennen kann, ja noch gut in Schuss aus! Bei den Fotos bekomme ich richtig Lust euch ein Stück zu begleiten. Dennoch werde ich mich wohl eher nächste Woche in die Berufsschule setzen :/
Um so mehr freue ich mich auf euren nächsten Bericht.
Ich wünsche euch noch viel “Spaß” und weiter so herrliche Ausblicke nach der etwas eintönigen Wüste!
Grüße aus dem herbstlichen Hamburg an einem goldenen Oktoberwochenende!
Malte