Kaxgar Diese Wueste durchquert man mit dem Kopf
Sep 172011

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Hotan / China
201. Reisetag
10.646 Kilometer

Immer gleiche Ausblicke über das flache Tarimbecken.

Werde ich nach über 500 km eintöniger Wüstenradelei von Kaxgar nach Hotan ein Thema für unseren Blog finden?
Diese Frage stellte  sich mir am ersten Tag nach dem Aufbruch in die Taklamakan. Heute sind die Themen zu zahlreich,  um sie in einem lesbaren Artikel unterzubringen. Ich werde die Begegnung mit dem Hirten, der seine Melone, seine einzige Wasserreserve, mit uns teilt weglassen. Weder vom chaotischen Verkehr in den Oasen, noch von Polizeisperren zur Durchführung einer Schluckimpfung– für alle (!) Durchreisenden erzählen. (Alle schließt natürlich auch Radler aus Europa mit ein, die viel Überredungskunst anwenden mussten, um Ärzte und Polizisten davon überzeugen zu können, dass sie bereits als Kind gegen Polio geimpft wurden.)

 
 Sand bringt einen nicht um – aber das muss man erst einmal begreifen.

So vielfältig die Eindrücke in dieser eintönigen Landschaft auch waren, die extremsten Erlebnisse verschaffte uns das Wetter. Gegen 22:00 Uhr weckte uns der, an unserem Zelt zerrende, Wind. Alle Versuche das Schlagen der Zeltbahn zu ignorieren schlugen fehl, wir mussten aus den Schlafsäcken kriechen, um das Zelt gegen den Sturm abzuspannen. Ein Reißverschluss des Innenzeltes hatte den Dienst im staubigen Mileu quittiert und ließ unablässig Sand hinein.  Somit war die letzte Barriere zwischen uns und der sandigen Welt da draußen gefallen. In unseren  Apsiden waren  kleinere Sanddünen über dem Gepäck entstanden.
 Dennoch, wir mussten hinaus und das Zelt sichern. Der Wind trieb den Sand in jede Körperöffnung  und klebte auf der Haut. Wie frisch paniert, legten wir uns, unserem sandigen Schicksal ergebend,  zurück ins Zelt und warteten auf den Tag.

 
27°C, bedeckter Himmel, leichter Rückenwind, bester Asphalt – der nächste Tag ließ sich gut an. Doch am Abend verdunkelte sich erneut der Himmel und wir hatten Mühe uns unter einer Straßenbrücke zu verstecken. Andreas kochte an diesem Abend im fliegenden Sand während ich zuschaute, wie mein Schlafsack durch den offenen Reisverschluss einstaubte. Als die Schicht deutlich sichtbar wurde, war ich seltsam erleichtert. Alles war dreckig, ich musste und konnte mir keine Mühe mehr geben den Sand los zu werden – ruhig und glücklich, all dies erleben zu müssen, aßen wir die knirschenden Nudeln. Warm und schmackhaft füllten sie unsere Mägen.

 
Heute logieren wir in weißen Laken in Hotan und entstauben uns. Andreas ist mit unserem Innenzelt in die lauten Straßen der Stadt verschwunden. Ich hoffe er findet einen kompetenten Schneider. Denn was man in Hotan nicht erledigt, bleibt die nächsten 1000 km liegen. Hotan ist auf der Südroute durch die Taklamakan die letzte größere Stadt.

6 Antworten to “In der Sandkiste Chinas”

  1. marina sagt:

    hallo johanna und andreas,

    ich war gestern in ratzeburg im barlach haus und nach einer längeren unterhaltung erfuhr ich von der dame am eingang (johannas mutter) von eurem gigantischen vorhaben und der internetseite. vor allem die fotos haben mich verlockt, heute gleich mal nach zu schauen.

    sehr beeindruckend und teilweise wunderschön!!

    herzliche grüße
    marina

  2. Anja sagt:

    Mir gefällt Euer Schreibstil und ich freue mich über jeden neuen Bericht mit den vielen interessanten Informationen. Und vorallem Hut ab vor Eurer körperlichen Leistung. Viel Glück auf Eurem Weg !!!

  3. Urs sagt:

    Moin Andrea & Johanna,

    seit ein paar Tagen verfolgen wir euren Weg. Genau seit in unserem Grenzlandkurier über euer Abenteur berichtet wurde.

    Toi Toi Toi wünschen dir und Johanna
    Gretha & Urs
    PS Gretha hat als zweiten Vornamen auch Johanna

  4. Dennis Boldt sagt:

    Wow. Unglaubliche Bilder. Nicht aufgeben!

    Grüße nach China,
    Dennis

  5. Eberhard sagt:

    Hi íhr Beiden,

    Wahnsinn………,
    wie haltet ihr das nur aus, ich bekomme ja schon eine Stauballergie vom Zuschauen.
    Danke für die Eindrücke und tollen Bilder, irgendwie habe ich mir China anders vorgestellt!

    Weiterhin alles Gute aus Mönchengladbach,

    Eberhard

  6. Navi-Martin sagt:

    Viel Glück bei der Zeltreparatur! Vielleicht findet ihr ja (auch mit Glück und Geschick) im Yurungkash ein Stück Jade.
    Möget ihr in der Wüste nicht so viel mit den Zähnen knischen (müssen).
    Herzliche Grüße
    Martin

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