Bis zum Ende Europas Zwei Pässe vor Ankara
Mai 132011

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Istanbul / Türkei

74. Reisetag

Unser Endpunkt in Europa ist auch das Tor nach Asien, ein Schmelztiegel von Kulturen und Religionen und daher Anlaufpunkt vieler Reisender. Eine Metropole mit 13 Mio. Einwohnern, einer immensen geschichtlichen wie kulturellen Vielfalt, deren eigener Charme uns sofort einnimmt, obwohl dies nicht unser erster Besuch Istanbuls ist.

Die erste Blühte hatte die Stadt  um 657 v. Chr. als sie von einem griechischen Kolonialisten als Byzanz auf der europäischen Seite des Bosporus gegründet wurde.

330 n.Chr. machte der Römer Konstantin Byzanz zur Hauptstadt seines Reiches. Istanbul hieß nun Konstantinopel und wurde zu einer repräsentativen Hauptstadt ausgebaut. Der Herrscher Justian ließ um 530 beispielsweise die prächtige Hagia Sophia erbauen. Der für eine christliche Kirche untypische Zentralbau setze später in der muslimischen Architektur Maßstäbe.

1453 eroberten die Osmanen (Mehmet der Eroberer) Konstantinopel. Die Stadt erlebte in dieser Zeit eine neu große Blüte und heißt seither Istanbul. Die Hauptstadt des osmanischen Reichs entwickelte sich zu einem sagenhaften Mittelpunkt der unter osmanischer Herrschaft stehenden Nationen.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Türkei unter Mustafa Kemal (Atatürk) zur Republik. Atatürk bestimmte die kleine Provinzstadt Ankara zu Hauptstadt und  Istanbuls einstiger Glanz begann zu verblassen.

Doch Istanbul ist wiederentdeckt. Geografisch an der Schnittstelle zwischen Asien und Europa am Bosporus gelegen und wie Rom auf sieben Hügel erbaut, steckt Istanbul heute voller Leben und Aufbruchstimmung.

Wir haben uns vier Tage durch die Stadt treiben lassen und auf diversen Märkten Geschäfte erledigt. Neue Bremsklötze wurden in der Fahrradstraße aufgestöbert, eine zu ersetzende Haarbürste fanden wir auf dem großen Textilbasar in Mercan, einen Straßenatlas entdeckten wir in einem Buchladen auf der anderen Seite des Goldenen Horns in einer der modernen Geschäftsstraßen Galatas  und einen Glücksbringer für die Fahrräder im Großen Basar. Für meine türkische Lieblingsspeise Kumpir (gr. gefüllte Backkartoffel) machten wir einen Ausflug nach Asien in den Stadtteil Üsküdar.

Was auch immer man in Istanbul erwerben möchte, man findet es nur in einem Viertel, oder in einer Straße, aber dort in schier unendlicher Vielfalt. Man gewinnt das Gefühl, dass fast jeder Istanbuler vom Handel lebt und irgendetwas anzubieten hat….. alte Frauen verkaufen Taschentücher, Jungs laufen mit Cay (Tee) umher, Männer verdingen sich als Kastanienröster und Greise als Schuhputzer. Wer moderne Shoppingmalls sucht muss weiter hinaus, in modernere Stadtteile fahren – wir haben keine entdeckt. Wir fanden lebendige Basare und übervolle, verwinkelte Geschäftsstraßen in denen die Istanbuler sich mit allem Erdenklichen versorgen.

Eine Nacht in der Backpackerszene im Stadtteil Sultanahmet genügte uns. Wir logieren nun in einem schlichten, preiswerten Hotel (Yeni Otel) mit Hocktoiletten im zentralen Serkeci. Unser Tipp: wer nicht dringend den Flair eines szenischen Hostels benötigt, in dem man mindestens 15€ mehr für ein muffiges Kellerzimmer zahlen muss, ist hier gut aufgehoben.

Morgen verlassen wir die Stadt mit der Fähre nach Yalova. So haben wir gut eine Stunde Zeit nach Istanbul zurück zu blicken und können unsere Radtour entspannt am Ostufer des Mamarameeres auf.

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