Satt essen nach 10.000 Kilometern In der Sandkiste Chinas
Sep 112011

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Kaxgar / China

195. Reisetag

10.107 Kilometer

Kreuzung im „wilden Westen“ Chinas

Jeden Abend haben wir einen festen Termin in der Stadt. Wir laufen durch die engen und mit Kebabgrills zugestellten Straßen der Altstadt ins nahe Youth Hostel. Wie zur Blütezeit der Seidenstraße ist Kaxgar noch heute ein Schmelztiegel, Sammel- und Kreuzungspunkt vieler Wege.

Traveler von und nach Pakistan und Indien (Karakorum-Highway), Seidenstraßen- Radler, Zentralasien- Reisende, Tibet oder China Freunde, sowie Abenteurer auf dem Weg in die Taklamakan – Wüste oder Steppen im Norden, treffen sich abends im Old Town Youth Hostel auf einen grünen Tee oder ein Bier. Hier werden Bücher, Erfahrungen, Karten, Informationen oder einfach nur Wörter ausgetauscht.

Zwei Welten stoßen aufeinander

Essen, vor dem Rechner sitzen, sich in der Shoppingwelt der Chinesen verlieren – erst gestern Abend, vor dem Tee im „Old Town“, haben wir einen Stadtspaziergang in den Tag eingebaut. In der moslemisch geprägten, engen und lebendigen Altstadt, verhandelte Andreas mit einem Uiguren darüber, dass wir bitte ein Gericht ohne Fleisch essen möchten. Erst als Andreas ein Schwein nachmachte und es dem Moslem auf einem virtuellen Teller servierte, verstand dieser, mit vor Ekel und Schreck verzogenem Gesicht, dass wir keinen Hammel essen können und servierte uns leckerste  Gemüsenudeln.

Aus der Kleinteiligkeit der Altstadt folgen wir einer breiten Magistrale auf einen bunt beleuchteten Platz. Mao in überragender Dimension, und Militär in zentraler Stellung, überwachen die repräsentative Freifläche. Im chinesischen Teil der Stadt (Han-Chinesen, die zum Schrecken einiger Uiguren, hier, im Westen des Landes, immer präsenter werden) blinken die Hotels und Banken in allen Farben – China ist bunt.

Unübersehbar leben hier zwei sehr unterschiedliche Kulturen in der gleichen Stadt. Die Uiguren sprechen eine Turksprache, beten zu Allah,  tragen Kopftücher und grillen Hammelkebap. Die zugezogenen Han-Chinesen bauen hoch, groß und bunt, dünsten Schwein und Sprossen und teilen sich die privilegierten Jobs in der Stadt. Der quirlige Ort brodelt, aber wer als Europäer die passende Grußform im richtigen Stadtteil verwendet, kann sich hier dennoch sicher fühlen.

Verbindung nach Europa

Morgen verladen wir unsere Habe wieder auf die Räder und fahren tiefer in diese ganz andere Welt hinein. Wir haben uns für die Süd-Route, zwischen Taklamakan-Wüste und Tibet entschieden. Die Gegend ist weitläufig und wir werden nur auf wenige Siedlungen treffen. Wie oft wir im Wüstensand auf ein Internetcafe stoßen wissen wir nicht, aber wir werden den Staub regelmäßig von der Sonnenbrille pusten, um keines zu übersehen.

3 Antworten to “Kaxgar”

  1. Navi-Martin sagt:

    Die 3 wichtigsten Worte bei Staub im Allgemeinen und im Zusammenhang mit der Taklamakan im Speziellen: Wasser, Wasser, Wasser.
    Und Durst ist ja sprichwörtlich bekannt schlimmer als Heimweh. ;)
    Ich werde heute Abend ein Weizen auf euer Wohl lenzen!
    Daumendrück für die weitere Strecke
    Martin

  2. Irene sagt:

    Mit großem Interesse verfolge ich seit ca. 14 Tagen Eure Reiseberichte und bin jedesmal ganz fasziniert von den tollen Fotos. Einfach beeindruckend!
    Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Reisebericht.
    Alles Liebe weiterhin und einen schönen Gruß aus Mönchengladbach Irene

  3. Eberhard sagt:

    Hallo ihr Beiden,

    gute Fahrt und alles Gute! Ich werde weiterhin täglich mal reinschauen.

    Gruß
    Eberhard

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