Gürün / Türkei
93. Reisetag
4700km
Greifvögel segeln in der Thermik am Hang. Ein Bach mäandert durch die kargen Berge, bildet ein grünes Tal mit Butterblumen, ein paar Bäumen und saftigem Gras.
Vor vier Tagen sind wir mit Bettina und Alex von Fernziele in Kappadokien aufgebrochen. Zwei Tage sportliches Fahrradfahren in Höhen zwischen 1200 – 1800 Metern ü.NN.. Schöne gemeinsame Lager und tolle Gespräche, doch am Ende war klar, dass Ansprüche, Ambitionen und Zeitplan zu weit auseinander liegen. Die Beiden sind im Wiegetritt über die Pässe nach Malatya gefahren, wo wir uns in drei Tagen zu einem Efes (Biermarke) verabredet haben.
Nach einem entspannenden Fahrradtag zu zweit liegen wir auf der Bergwiese in 1700 Metern Höhe, sehen den Hirten zu und genießen den Tag.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen können, in der Nacht ziehen Gewitter auf, die unseren Start am Morgen durch Dauerregen und Hagel erschweren. 800 Höhenmeter tiefer sitzen wir nun in einer zentralanatolischen Kleinstadt im Internetcafe und freuen uns über die E-Mail unserer Visaagentur, die verkündet, dass unsere Pässe gut in Berlin angekommen sind und mit den erhofften Stempeln ausgestattet werden.

Lieber Mittreisender,
schön zu hören, dass unsere Reise mit Interesse verfolgt wird. Gerne würde ich ganz konkret auf Deine Aussage, „Was ich aber endtäuschend finde ist, dass man doch sich politisch festsetzt und Ostanatolien als Kurdistan benennt, ohne hierfür eine Grundlage zu haben.“ eingehen. Doch ich finde diese Aussage nicht auf unsere Internetseite (bitte gibt doch noch mal genau den Artikel an, der diese Aussage treffen soll).
Vielmehr habe ich versucht, unsere Eindrücke vom Land zu beschreiben. Dabei liegt es mir absolut fern zu sagen, dass Kurdistan ein eigener Staat sei, oder werden sollte (die gesamten Fakten zum Landstrich und die tiefere Historie zum Thema kenne ich zudem zu wenig, um hier politische Festlegungen treffen zu können, oder zu wollen). Zudem nehme ich an, dass die meisten Deutschen bei einer Reise durchs wilde Kurdistan ohnehin eher an Karl May, als an eine politische Aussage denken – uns geht es jedenfalls so.
Ich schreibe in meinen Beobachtungen von kurdischen Gebieten – Gebiete in der Türkei, die mehrheitlich von Menschen besiedelt sind, die sich uns gegenüber sehr deutlich als Kurden vorstellten. Ich gehe davon aus, dass ich mich damit eines politisch korrekten Jargons bediene. Da mir bewusst ist, dass die Kurdenfrage durchaus emotionsgeladen ist, war ich sehr bemüht, möglichst keine der Seiten zu beleidigen oder herab zu setzen. Doch als Radreisender erfährt man sehr schnell, wo die kurdischen Gebiete beginnen. Immer wieder wurden wir darauf hingewiesen, dass wir doch bitte kurdisch grüßen sollten und nicht türkisch, einmal hielt ein Auto neben uns und ein Mann teilte mir mit: „Herzlich Willkommen, Ihr seid hier jetzt in Kurdistan!“
„Alles im allen finde ich es beleidigend, auf dem Video, türkische Schriften auf Steinpflaster zu zeigen und dann diesen Ort als Kurdistan zu definieren, sodann noch dies zu veröffentlichen.“ Leider kann ich, da man im Iran nicht auf YouTube zugreifen kann, diese Aussage nicht im Video nachschauen. Es bleibt mir nur noch einmal zu betonen, dass wir auf der Webseite kein Gebiet der Türkei als politisches Kurdistan definiert haben oder dies im Sinn hatten. Das Teile des Videos beleidigend wirken sollen, macht mich betroffen.
Etwas ketzerisch möchte ich noch hinzufügen, dass ich froh bin, nicht noch innerhalb der Landesgrenzen der Türkei, bezichtigt worden zu sein, etwas beleidigendes in Bezug auf die Türkei veröffentlicht zu haben. Denn soweit ich weiß, gibt es in der Türkei doch immer noch diesen kleinen Gesetzestext, der eine Beleidigung der Türkei (oder so ähnlich) unter Strafe stellt
Etwas ganz anderes; es würde mich durchaus interessieren, wie ein (ich nehme an) türkischstämmiger Mensch die Unterschiede, Konflikte, Mauern und Differenzen im wiedervereinigten Deutschland wahrnimmt. So wie wir auf die Länder, die wir bereisen, immer mit unserem „deutschen“ Hintergrund schauen, haben wir sicherlich durchaus manchmal für eigene Probleme keinen distanzierten Blick.
Wir hoffen, dass die Darstellung unserer Sichtweise etwas zur Klärung Deiner Irritation beigetragen hat und würden uns freuen, wenn Du weiter ein Mittreisender auf unserem Blog bist.
Andreas & Johanna
Hallo! Ich finde es ja persönlich gut, dass ihr eine Kundschaftreise unternimmt und Eure Eindrücke vermittelt; hierbei sogar auf die offiziellen Angaben rücksicht nimmt. Was ich aber entäuschend finde ist, dass man doch sich politisch festsetzt und Ostanatolien als Kurdistan benennt, ohne hierfür eine Grundlage zu haben. Wenn man schon so erfreut über die türkische Gastfreundschaft ist und deren Vorzüge auch zu geniessen vermag, so sollte man auch gegenüber diesem Land ein gewisses respekt entgegen bringen können, so jedenfalls meine persönliche Meinung.
Ich gebe auch nicht zu Rostock und berichte über ein konservativeres Abendland gegenüber dem Westen und sage, da ist wohl irgendwo noch die Mauer; oder ähnliches. Wenn man die Tatsache vor Augen hat, dass nicht einmal Kurdistan unter Barzani Regierung von den Entwicklungsländer anerkannt worden ist, um etwa der möglichen zukünfitgen neuen Politik die Richtung geben zu können, so sollte man gerade, das mit dem Fahrrad zu erlangende Freiheitsgefühl und desen persönliche Bereicherung, zu schätzen wissen und ein souveränes Land, mag es gegenüber Indistrieländer unterentwickelt sein, doch zu verstehen versuchen.
Alles im allen finde ich es beleidigend, auf dem Viedeo, türkische Schriften auf Steinpflaster zu zeigen und dann diesen Ort als Kurdistan zu definieren, sodann noch dies zu veröffentlichen. Bitte daher als leidenschaftlicher Fahrradahrer mehr um Rücksicht. Viel Spass und Erfolg bei Eurem Touren….