Nachtfahrt Weiter gen Osten
Jul 202011

AKR_6396 (640x425)Gorgan / Iran

142. Reisetag

Kilometer

Wieder zogen wir unsere Warnwesten an, schalteten das Licht ein und fuhren auf die dunkle Straße. Diesmal folgten wir einem Polizeiauto, das uns bis zum nächsten Stadtpark eskortierte.

Im Moment haben wir kein glückliches Händchen beim Auswählen unserer Übernachtungsplätze. Die Küstenregion am Kaspischen Meer ist so dicht besiedelt, dass man kaum 5 m² freies Grün findet. Wir zelten daher auf Bolzplätzen in Dörfern, auf Parkplätzen –  die im Sommer kurzerhand zu offiziellen iranischen Zeltplätzen werden und letzte Nacht zogen wir um 23 Uhr, auf Wunsch der Polizei, dann eben in einen Stadtpark , der bereits zum bersten mit Zelten Iranischer Familien gefüllt war,  um.

Zuvor hatten wir auf einer unbewirtschafteten Fläche am Feldrand unser Zelt aufgeschlagen. Der Platz lag in einer Mulde und war nicht weit von der Straße entfernt. Nachdem wir sogar das OK vom Bauern einholen konnten, freuten wir uns auf eine ruhige Nacht.  Doch kurz nach Einbruch der Dunkelheit hörten wir Motorräder, die wenig später ihre Scheinwerfer auf uns richteten. Vier Männer belebten den Platz. Andreas ergriff die Flucht nach Vorn und „sprach“ mit Ihnen, doch anstatt sich einen anderen Platz für ihr Treffen zu suchen rückten sie lediglich ein paar Meter ab – sollten wir nun zusehen  zu verschwinden, oder lieber warten? Andreas und ich schauten uns im Zelt fragend an. Wohl war uns bei den Gesellen vor unserem Zelt nicht.

Jeder weitere Gedanke war jedoch unnötig, denn plötzlich sperrte ein Polizeiauto die Ausfahrt vom Gelände, leuchtete die Niederung mit seinen Scheinwerfern aus und ich sah Uniformstiefel,  am Zelt vorbei,  übers Feld rennen. Die vier Fremden wurden festgenommen und die Motoräder auf die Polizeiwagen verladen. Wie aber ist nun mit den zwei Deutschen zu verfahren? Die Polizisten waren extrem freundlich, verstanden ohne Worte, dass wir nicht zu den „Verbrechern“ gehören und wollten uns in Sicherheit bringen. Also wieder einmal alleseinpacken und mit Blaulichteskorte ging es in die nächste Stadt mit öffentlichem Park voller Zelte – wieder eine Nacht unter lärmenden, nachtschwärmenden Picknickweltmeistern.

Die nächsten Tage geht es für uns weiter nach Osten, weg vom Kaspischen Meer, hinein in die Steppe an der turkmenischen Grenze. Wir freuen uns, den Urlaubstrubel hinter uns lassen zu können. Denn die Hinweise der Hoteliers, man habe Blick auf das wunderschöne Meer, der dann entsprechend kostet, konnten wir nicht wirklich verstehen. Trotz der unglaublich schwülen Hitze waren wir nicht ein einziges Mal baden. Da ich entweder vollbekleidet, inklusive Kopftuch unter den Blicken der interessierten Iraner ins Nass hätte springen müssen (fürs Umkleiden stellen die meisten Ihr Zelt an den Strand), oder auf die wenigen, komplett mit Planen verhängten, Frauenbadestrände hätte ausweichen müssen. Hinter diesen Wänden, so lasen wir, wartet dann eine Sittenwächterin, die den Badespaß überwacht. Unter diesen Bedingungen ist es uns lieber erst gar kein Wasser in der Nähe zu wissen. Zudem hoffen wir der feuchten Wärme zu entkommen, in der man partout nie ein trockenes Hemd trägt.

Fotos? JA! Auch wenn es ein wenig spaet ist, aber wir haben die fehlenden Bilder in den letzten Artrikeln hochladen koennen.

Eine Antwort to “Packen unter Polizeiaufsicht”

  1. Navi-Martin sagt:

    Das Warten hat sich gelohnt. Die Bilder sind -wie gewohnt- eindrucksvoll und die Geschichten dazu machen deutlich, wie groß euer Abenteuer ist. Daumen hoch, ihr macht das schon!
    Ich folge weiter euren “Spuren” ;)
    Martin

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