Im Dorfladen Der Traum vom Schwarzen Meer
Apr 292011

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Silistra/ Bulgarien

60. Reisetag

3287  km

Der erste Hahn krähte als die Nacht noch schwarz war, im Osten lag kaum ein erster Schimmer am Himmel. Direkt setzte ein lauter Chor der übrigen Hähne ein. Vereinzelt kläfft ein Hund – sie haben am Abend und in den ersten Nachtstunden den Ton angegeben.

Durch die dünne Zeltwand hören wir nach dem Weckruf der Hähne auch Gänse, Kühe, Katzen, einige Esel und am Rand des Specktakels das klappern eines Storches – an ein Weiterschlafen ist nicht zu denken.

Wir lagern mitten in einem rumänischen Dorf auf der Wiese des Försters und sind uns sicher: so Laut ist es in einer Stadt nicht. Zugegeben, auch auf den Donauwiesen quaken Fröschen, schreien Vögel und bellt in der Ferne ein Hund, aber eine zweite Nacht in einem Dorf können wir uns an diesem Morgen nur in weiter Ferne vorstellen.

Ceaușescu – Diktatur nach Rumänien zurückgekehrt. Als sein Asylantrag nach zweijährigem warten in Bayern anerkannt war, zog er nach Hamburg und arbeitete dort über 20 Jahre. „Die Freiheit in der weiten Natur hat mir gefehlt“ sagt der stattliche Mann. Dies war auch ein Grund warum er jetzt wieder in Rumänien leben will und sich im Dorf seines Freundes, des Försters, ein Haus baut. Hier will er seinen Weinberg, ein paar Felder und Tiere hegen und mit dem Pferd durch die Natur streifen.

Stefan ist nicht sehr von den oft immer noch korrupten Seilschaften in Rumänien begeistert. Er erzählt von Klüngeleien um Jobs, der Perspektivlosigkeit für junge Menschen im Land, der fragwürdigen Vergabe von Lizenzen für Teile der Infrastruktur (wir fragten nach der Müllentsorgung) und der am Boden liegenden Wirtschaft. Doch für uns ist es eben auch gerade diese fehlende Organisation in der freien Marktwirtschaft der Menschen, die den Reiz des Landes ausmacht – vieles scheint möglich, wenn man es anpacken will.

Wir haben Rumänien gestern mit einer überladenen Fähre über die Donau nach Silistra (Bulgarien) verlassen. Laut unserer Karte sollte es in Silistra einen Campingplatz geben, den aber niemand kannte. Etwas verloren stehen wir im Zentrum Silistras, schauen auf die kyrillischen Schilder und finden auch keine Touristinformation. Nach wenigen Minuten tauchen zwei Fahrradfahrer auf, die zwar weder Englisch noch Deutsch sprechen, denen wir aber unseren Wunsch nach einem Campingplatz verständlich machen können. Einer schwingt sich auf sein Rad und führt uns zu einem, außerhalb gelegenen, Jugendgästehaus. Für 5,-€/Person schlafen wir ruhig, duschen endlich mal wieder und erholen uns etwas.

Mit Erreichen Bulgariens haben wir dann auch Rumänien abgeschlossen.

Wenn nichts dazwischen kommt, können wir am 1. Mai am Schwarzen Meer sein – eine verlockende Vorstellung.

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