Buchara – historische Handelsmetropole an der Seidenstrasse Feiern Usbeken lieber unter sich?
Aug 122011

AKR_7521 (800x531)Samaqand / Usbekistan

165 Reisetag

Kilometer

Im Schein unserer Kopflampen zerlegen wir mein Rad auf einer nassen Wiese. Um uns sitzen zwei Jungs und drei Männer, die Kautabak spucken, unser Tun diskutieren und unsere Räder neugierig befingern.

In der langestreckten, dichtbesiedelten Oase  zwischen Buchara und Samarkand  bleibt einem nur die kurze Phase der Dämmerung, um einen geeigneten Platz für die Nacht zu finden. Ist man zu früh, wird man von neugierigen Feldarbeitern belagert, ist man zu spät, sinken die Chancen, in der Dunkelheit einen geeigneten Zeltplatz zu finden, erheblich.

Wir waren von der Straße in ein Flusstal gerollt und wollten unser Zelt aufschlagen. Die saftig, grüne Wiese entpuppte sich dann aber doch als knöcheltiefes Gewässer. Beim Wenden der Räder entdeckte ich meinen platten Reifen. Natürlich, wie immer, im ungünstigsten Moment. Also, Gepäck in den Sumpf und schnell das Hinterrad ausgebaut!

Inzwischen war die Sonne bereits verschwunden und die Einheimischen waren, wie so oft, aus dem Nichts aufgetaucht und beobachteten nun die beiden Exoten und ihre merkwürdigen Fahrräder.

Etwas ratlos schauten Andreas und ich uns beim bepacken des Fahrrads an. Dieser Platz war nur an einem schmalen Streifen trocken und er versprach wenig Ruhe für die Nacht; das die Einheimischen uns immer wieder vor Schlangen warnten, war da das geringste Übel, solche Warnungen hören wir von der Bevölkerung seit Rumänien.

Ich war zunächst wenig begeistert, als uns einer der Männer zu sich einlud – zu sehr hatte mich die beobachtende Sitzblockade um unsere Räder in dieser Situation genervt, aber Andreas hatte Recht, als er mich zum Mitgehen ermunterte; unsere Chancen, heute noch etwas Anderes zu finden, standen schlecht.

Also rollten wir gemeinsam zurück ins Dorf. Vor der einfachen Hütte saßen  die zwei, hier lebenden, Familien. Wir nahmen auf dem Verandateppich Platz und bemühten uns, mit Atlas, Karten, viel Gestig und drei Wörtern russisch, unsere Reise zu beschreiben.  Andreas musste ein Gruppenfoto nach dem anderen schießen, doch leider gelang es keinem der Erwachsenen uns eine Postadresse, zum Zusenden der Fotos, aufzuschreiben. Wir sind uns nicht sicher was das Problem war. Konnte hier niemand schreiben? Gibt es keine Postadresse für dieses Haus, oder ist die Umstellung von kyrillischer auf lateinische Schrift ein Hindernis?

Unser Zelt durften wir hier jedoch auch nicht aufschlagen. Wir bekamen das Zimmer im Haus und die Familien machte es sich unter einem Moskitonetz auf der Terrasse bequem. Das wir uns bei dieser Aufteilung nicht ganz wohlfühlten, konnten wir unseren Gasgebern leider nicht vermitteln ohne ihnen vor den Kopf zu stoßen.

Bei Sonnenaufgang machten wir uns Richtung Samarkand auf den Weg – der nächste klangvolle Name auf unsere Route entlang der Seidenstraße.

Unser Reisepläne über das Ferganatal nach Kirgisistan zu reisen, sehen wir jedoch leider gerade gefährdet, die entsprechende Grenze soll für Touristen gesperrt sein – doch eine sichere Information hierüber ist nur schwer zu erhalten.

Eine Antwort to “Über usbekische Dörfer nach Samaqand”

  1. Matthias sagt:

    Hey, Euch beiden viel Glück auf der Tour. Die Bilder sind einfach UN-GLAUB-LICH!!! Es macht hiergebliebene wirklich neugierig und läßt mich den Hut ziehen. Ich würde so eine Tour vermutlich nicht machen. (Schade eigentlich)

    Ich warte gespannt auf weitere Folgen des Reiseberichts.

    Matthias

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