Hongyuan / China
241. Reistag
12.678 Kilometer
Unzählige Yaks ziehen über das weite Grasland der Hochebene, entfernt ragen weiße und braune Gipfel in den farbenreichen Himmel. Ziehende Wolken werfen Schatten über die offene Landschaft, an einer Berspitze sammelt sich ihr grauer Schleier – Schnee fällt.
Als wir aus einem staubigen Tunnel pedalten, ließ der eisige Wind, der den Berg hinunter fegte, nach und die Sonne schien uns ins Gesicht. Seit vier Tagen rollen wir auf konstant über 3400 m Höhe. Die einzelnen, weiten Becken werden nur durch kleine Bergketten getrennt. Wir radeln durch Weideland. Nomaden treiben Ihre Yak- und Schafherden zusammen – hier und da werden Zelte zusammengeräumt, die Saison geht zuende.
Unsere Körper haben sich inzwischen gut an die Höhe gewöhnt, unzählige, zusätzliche, rote Blutkörperchen kreisen in unseren Gefäßen, die deutlich verminderte Sauerstoffzufuhr pro Atemzug wird ausgeglichen. Dennoch kommen wir nicht schnell voran, wer das herbstliche Lichtspiel auf dieser Höhe bewundern will, muss fleißig sein, denn nach dem Schwitzen kommt das Frieren. Immer wieder stoppen wir, um uns einen Pullover, Gamaschen, Regensachen, Handschuhe oder Mützen an- oder auszuziehen. Für jeden Berg und jede Wolke ist auch hier Anpassung nötig.
Morgen und übermorgen greifen wir unseren vorerst letzten wirklich hohen Pass an (laut meiner Karte gehe ich von über 4000 m Höhe aus). Danach folgen wir Flüssen auf unter 3000 m Höhe – wir hoffen, dass wir uns und unsere Ausrüstung dann nicht mehr täglich ganz so intensiv auf ihre/unsere Höhen- und Kältetauglichkeit testen müssen.

Oh Andreas, mögest du immer beim Reifenflicken unter Schweinebedingungen solch einen entspannten Gesichtsausdruck bewahren. Ich hätte längst das HB-Männchen gegeben! Die Kocherreparatur wäre dann die Höchststrafe. Morgens vor dem ersten Tee!
Ich drücke weiter alle Daumen.
Martin