Veröffentlicht in Kaxgar / China
Irkeshtam / Kirgisistan
188. Reisetag
9.852 Kilometer
Ein wenig außer Atem erreichen wir Ikishtam. Das Radeln in dieser Höhe (über 3000 m) strengt ungewohnt an. Der Schlagbaum der kirgisisch- chinesischen Grenze versperrt unsere Weiterfahrt. Vier Tage, so erfahren wir, wird er geschlossen bleiben – die Chinesen wollen ihre Ruhe und lassen niemanden ins Land.
Ich komme gerade von draußen und werde die Zeit nun nutzen, um ein paar Zeilen zu tippen. Ihr werdet den Artikel erst lesen, wenn wir in Kaxgar (China) angekommen sind ; hier in den Bergen gibt es nur alte Bauwagen, einfachste Häuser, viele Kinder, Vieherden, Bäche, Steine, bezaubernde Gipfel, wartende LKW Fahrer, Donnerbalken und ein Magazin mit Wodka, Bier, Zwiebeln, Möhren und Nudeln. Da wir unsere letzten kirgisischen Som ohnehin im glauben an einen baldigen Grenzübertritt verjubelt haben, darf uns das geringe Angebot im Dorfladen aber nicht stören.
Auf dem Treppenabsatz habe ich gerade die „Wäsche- wasch- Show“ veranstaltet; Andreas holte fleißig Wasser vom Brunnen. Doch als die Dörfler merkten, dass auch die Deutsche einfach nur stinkende Wäsche in Seifenlauge rubbelt, war ich glücklicherweise schnell langweilig.
Vier Tage hatte ich auf unserem Weg von Osch aus Zeit, auf dem Rad nach Worten für einen Blogeintrag zu suchen. Wörter wie atemberaubend, wundervoll, berührend und unbeschreiblich kreisten in meinem Kopf, als wir durch die beeindruckende Bergwelt Kirgisistans radelten.
Atemberaubend scheint mir am zutreffendsten, da das Wort nicht nur die berührende Naturschönheit dieser Landschaft wiedergibt, sondern auch den Radelalltag beschreibt. Wir haben hart gekämpft um die Pässe zu bezwingen. Ab 3000 m Höhe merkten wir deutlich, wir die Leistungsfähigkeit unseres Körpers nachließ. Doch das Gefühl, auf 3770m zu stehen und auf die Gipfel des schneebedeckten Pamirs zu schauen, werden wir nicht vergessen. Andreas erzählt hier mit seinen Bildern sicher mehr, als ich es mit Worten könnte.
Am Schlagbaum zu China mussten wir unsere Räder nun also wenden. Wir haben uns bei einer Familie im Dorf nahe der Grenze eingemietet und sind vier Tage wieder mal ganz nah dran, am Leben der Menschen. Wieder stellen wir fest, dass der Komfort in einem Dorf für uns, im Gegensatz zu unseren Zeltnächten, eher sinkt als steigt. Wenn wir Zelten ist unsere „Toilette“ immer unberührt, Wasser müssen wir hier wie dort aus einem Bach oder vom Brunnen holen und zum Erwärmen und ggf. entkeimen kochen. Zugegeben, hier haben wir einen mehr oder weniger eigenen Raum und die Tatsache, den Rechner an Strom anschließen zu können, hat den Ausschlag für den Stopp im Dorf gegeben, doch ist mir immer noch nicht klar, wie ich mich hier waschen soll. Neben dem Zelt, hilft mir eine Wasserflasche oder ein Wassersack beim Duschen, doch hier gibt es nicht einmal einen Raum den ich durch Gardinen privat werden lassen könnte…… schon beim Zähneputzen vor dem Haus beobachten die Dorfjungen genau was man dort Witziges unternimmt.
Schon wieder im nächsten Land. Wie gewohnt findet Ihr unter Route die Zusammenfassung zu Kirgistan, dem 14. Land unserer Reise.
Diesmal besonders viele Fotos, da die Landschaft wirklich sehr besonders war.

schöne Bilder,guter Berichte. weiter machen ,Bleibt Kraftig für die nächsten 10000 KM
Ich wünche mir auch so ein fahrrad Reise.
Ich warte auf der nächster Bericht.
schöne Grüße aus Berlin
Ahmed
Hallo ihr Beiden,
wirklich, wiederum atemberaubende Fotos!
Danke das ich teilhaben darf!
Herzlichen Glückwunsch aus Mönchengladbach
zur 10.000 KM Marke.
Hier, bei uns, ist das Wetter eher herbstlich.
Ich freue mich schon auf neue Berichte und
drücke weiterhin beide Daumen.
Gruß
Eberhard
Wieder mal ein toller Bericht und schön zu sehen wie es bei Euch weiter geht!
Eine Frage habe ich jedoch an Euch, vielleicht findet Ihr ja mal die Zeit darauf zu antworten:
Ihr schreibt in der Zusammenfassung zu Kirgistan, dass Ihr im Supermarkt einkaufen gewesen seid. Wie macht Ihr das dann mit Eurem ganzen Gepäck? Am Rad hängen lassen ist ja leider in vielen Gegenden keine gute Idee und alles immer wieder an und ab zu montieren und mitzuschleppen auch nicht immer eine Alternative.
Grüße aus der Pfalz!
nico
Willkommen in China,
wirklich tolle Bilder. Wow. Spitzengeschwindigkeit: 74 km/h – bekommt man es da nicht langsam mit der Angst? Ich meine bei einem voll beladenem Rad?
Gruß Dennis