Pakse / Laos
15.816 Kilometer
323. Reisetag
Die Sonne ist, hinter den für uns namenlosen Bäumen, in die rote Erde hinein untergegangen. Die noch immer stickig, heiße Luft ist erfüllt vom Zirpen unzähliger Grillen; zwischendurch ruft ein Vogel in die Dunkelheit. Wir sitzen noch eine Weile, der Nacht lauschend, vor dem Zelt und schauen in den Sternenhimmel. Seit Monaten wölbt er sich des Nachts über uns; heute scheinen die vielen Sterne jedoch besonders hell zu leuchten. Der Mond wird erst gegen Morgen aufgehen und ihr Licht verblassen lassen.
Es ist ein Abend an dem man sich von der Welt beschützt fühlt und die Gedanken laufen lässt. Wir pedalen in diesen Tagen durch ein sehr schönes Reiseland. Die Hauptstraßen sind wenig befahren und die unbefestigten Nebenstraßen landschaftlich bezaubernd. In allen Dörfern treffen wir auf freundlich winkende Menschen und die kleinen Läden geben immer genug her um nicht zu hungern – endlich ist es warm und wir in einem Land, in dem man niemanden beleidigt, wenn man mit kurzen Hosen pedalt. Dennoch, es gibt Momente, in denen man deutlich spürt, dass es nicht reicht das gleiche dreckige Wasser zu trinken um bei den Menschen in Laos anzukommen. Wir sind hier immer die Fremden. – Fremden winkt man hier freudestrahlend zu, aber sie gehören nie dazu; werden freundlich beobachtet aber nie integriert.
Laos ist eine sehr geschlossene Gesellschaft, wenn wir über staubige Pisten in entlegene Dörfer pedalen hören wir von weitem die Rufe „Falang,-Falang“ (Fremde,Fremde). Die Kinder und auch ältere Menschen rufen sich die Nachricht zu und dann kommen sie herbei um zu schauen. – Es sind weiße Radreisende, die über und über mit rotem Staub bepudert sind. Als wir in einem Dorf halten um nach dem Weg zu fragen, fängt eine alte Frau an, an meinem Schienenbein zu kratzen – ist der Mensch unter dem Staub nun rot oder weiß?
So beschützt man sich in der roten Landschaft unter dem Sternenhimmel auch fühlen mag, in Laos bleibt man ein „Falang“.

Liebe Grüße aus MG,
ca. 8° und Nieselregen begleiten uns schon den ganzen Tag.
Eine schöne Abwechslung bieten da eure Nachrichten aus Laos.
Eure fröhlich klingenden Zeilen und das strahlende Lächeln
am Grenzstein zeigt dass es euch augenscheinlich gut geht.
Danke für die tollen Fotos und weiterhin gute Fahrt!
Eberhard
Nach dem ich hier in Deutschland heute bei minus 8 Grad auf die Arbeit geradelt bin, machen diese tollen Berichte und Bilder nur noch neidischer
Ich wünsche euch weiterhin alles Gute und noch viele Eindrücke dieser Art.