Tabriz – auf dem Bazar Der Tiefpunkt unserer Reise?
Jul 122011

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Ardabil / Iran

134. Reisetag

6406 Kilometer

Die ewigen türkischen Berge sind verschwunden. Im Iran kann man Strecke machen. Vorgestern haben wir Tabriz trotz Gegenwind 107 km hinter uns gelassen – wir waren zufrieden. Doch aus dem Wind wurde Sturm; in der Nacht mussten 12 Heringe das Zelt am sandig, steinigen Boden halten. Um 4 Uhr klingelte der Wecker, um 6 Uhr pedalten wir in den Sonnenaufgang hinein und wollten so der Mittagshitze entfliehen, doch die Räder rollten nicht. Mit 7 km/h stemmten wir uns gegen den Sturm aus Osten. Eine Boe riss mich in den Straßengraben, eine Andere stieß mich fast zu Boden. Nach 48km weigerte ich mich das Fahrrad noch einmal aus dem Graben auf die Straße zu schieben, es war Nachmittag geworden und ich entdeckte im verbrannten Land eine gemähte Wiese mit Bäumen. Irgendwie  überwanden wir die Wassergräben, die jedes fruchtbare Land umsäumen und verankerten unser Zelt in sicherer Entfernung zu einem Baum (herabfallende Äste), aber nahe genug um seinen Schatten zu genießen.

In der Nacht ereilte mich böse Übelkeit, ohne Kraft wachten wir am Morgen vom heulen des Windes auf, radelten und schoben bis Mittag 17 km und waren uns sicher Ardabil (die nächste Stadt und Versorgungsmöglichkeit) heute aus eigener Kraft nicht erreichen zu können. Doch in Ardabil wollten wir Geld wechseln, einkaufen und etwas gegen mein Unwohlsein tun – Andreas entschied, dass uns jetzt ein freundlicher LKW- Fahrer helfen muss.

Wenige Minuten später saßen wir zwischen unseren Gepäckstücken und den Rädern auf der Ladefläche eines kleinen Lasters, betrachteten das obere Drittel der Landschaft und wurden mit Bananen versorgt – für uns war dieser 60 km Lift die richtige Entscheidung.

Eine kleine Geschichte, die den höflichen Umgang zwischen Männern und Frauen, im Iran, etwas beschreibt: Wir entrollten nun also gerade alle Abspannleinen, um unser Zelt im Schatten des Baumes gegen das Wegwehen zu sichern, als ich am anderen Ende der Wiese einen Mann entdeckte. Erst mal mussten wir uns um das Zelt kümmer, dann wollte ich Andreas auf einen Smalltalk zum mutmaßlichem Landbesitzer schicken. Wir wuselten also um das Zelt und die Räder und der Mann schaute sich seine Hecken an, hielt aber immer einen gewissen Abstand, bis zu dem Moment, als ich im Zelt verschwand. Plötzlich stand er neben Andreas und begrüßte ihn. Die Beiden klärten, dass wir hier gerne bleiben können und als ich aus dem Zelt hervor kam, war der Landwirt auch schon mit freundlichen Wünschen verschwunden.

Es ist immer das gleiche Spiel. Achtung bringt man mir gegenüber zum Ausdruck, in dem man mich möglichst wenig anschaut. Angesprochen wird immer Andreas. Männer die mich ansprechen, anschauen oder mir die Hand reichen, outen sich meist schnell durch falsche Gesten als sehr unhöflich – eine immer noch ungewohnte Situation für Andreas und mich.

Wir haben jetzt Bilder hochladen koennen. Die Aufloesung mussten wir aber leider verringern.

Eine Antwort to “Wir haben 60 km „geschummelt“”

  1. Navi-Martin sagt:

    Habt ihr auf’m Laster das GPS mitlaufen lassen? Ich bin neugierig, wie schnell der euch durch die Gegend geschüttelt hat!
    Daumendrück für die Bewältigung des Unwohlseins, hoffentlich war das Geschüttel nicht so schlimm.
    Beste Grüße
    Martin

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