China

china

Volksrepublik China / Zhonghuá Rénmín Gónghéguó Ost-Asien

Fläche (Weltrang:4): 9 572 419 Quadratkilometer

Einwohner: 1 311 904 000 = 137 je Quadratkilometer

Hauptstadt: Beijing (Peking)

Inhalt: 1.Reisezeit; 2.Route; 3.Wetter; 4.Wasser und Lebensmittel; 5.Luft; 6.Sprache und Verständigung; 7.Straße (mit Details zur Route); 8.Verkehr; 9. Gesellschaft, Zusammenleben, Religion/Kommunismus – China, die alte große Kultur und Maos Revolution – Chinas Philosophie – Die Philosophie im Alltagsverhalten – Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst –  Wieso schauen wir so besonders kritisch auf die neue Weltmacht – Tierschutz – Der Tod eines Mädchens, der die Chinesen beim zweiten Blick berührt – Der einzelne Chinese ist meist sehr liebenswürdig; 10.Internetzensur; 11. Als Tourist unterwegs; 12.Die Minderheiten im Reich der Mitte – Die Uiguren  - Tibetischer Alltag in Qinghai, Gansu und Sichuan; 13. Umgangsformen die wir an Chinesen gar nicht mögen; 14. Wieso wir immer wieder nach China reisen würden


„I call it planet China!“,  der amerikanische Geschäftsmann in Xining hatte recht. China ist eine Welt für sich und wir sind im Land die Aliens, die nichts verstehen und sich nur wundern können.

1. Reisezeit:

Vom 05.09.2011 bis zum 12.12.2011 haben wir China erlebt. 99 Tage – auf unserer Reise bisher die längste Aufenthaltsdauer in einem Land! Dennoch haben wir weder die Große Mauer, die Terrakotta-Armee, noch die Metropolen an der Ostküste gesehen.

2. Route:

Unsere Route führte uns von Kaxgar in der Provinz Xinjang, an der kirgisischen Grenze, entlang der südlichen Seidenstraßenroute nach Xining in der Provinz Qinghai und von dort immer nach Süden, durch die Provinzen Gansu, Sichuan und Yunnan, bis wir in Hekou nach 4580 Kilometern nachVietnam ausreisten.

Auf unserer Fahrt durch China haben wir insgesamt 21.997 Höhenmeter unter die Räder genommen.

3. Wetter:

In der Taklamakan – Wüste sind wir am Tag bei angenehmen 20°C pedalt. Von Kaxgar bis Hotan trieb uns Rückenwind an, danach gab es nur noch Gegenwind für uns (div. Reisende berichten von diesem Phänomen).  Später in den höheren Gebieten hatten wir nachts strengen Frost (ca. -15°C), die Tage waren aber meist sonnig und die kalten Knochen tauten wieder auf. Wir hatten drei Schnee- oder Schneeregentage in Osttibet. Auf der Abfahrt von Maerkang nach Shimian wurde es mit dem Höhenverlust deutlich wärmer (wieder bis 20°C), doch auf dem weiteren Weg nach Süden, nach Kunming,  ging es immer wieder über Pässe jenseits der 2500 Meter, die für eisige Temperaturen sorgten.

Dennoch können wir den Herbst in Osttibet empfehlen, die gefärbten Bäume waren wunderschön.

4. Wasser und Lebensmittel:

Trinkwasser ist in China stets heiß. Chinesen haben meist einen Vorrat an heißem Wasser, den sie als Tee- oder Trinkwasser verwenden. Gerne füllen sie Reisenden etwas davon in deren Thermoflasche ab. Schwieriger ist es oft an kaltes Wasser zu kommen. In der gesamten Wüstenregion von Kaxgar bis Xining gibt es oft kein fließendes Wasser. Zisternen müssen für einen geöffnet werden. Später in wasserreicheren Gegenden findet man in Dörfern meist Wasserhähne am Straßenrand,  die der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Wir gehen davon aus, dass es sinnvoll ist, das Wasser vor dem Trinken abzukochen,  wie es die Chinesen auch handhaben.

Nach Zentralasien ist China ein Schlaraffenland. Günstig kann man sich in Garküchen mit frischem Gemüse und Reis versorgen. Notwendig wird jedoch eine allgemeine Anpassung der eigenen Essgewohnheiten an die chinesischen. Milchproduckte (Butter auch Margarine), Käse) und Brot sucht man vergebens. Besser man mischt sich für morgens Müsli, isst mittags Nudelsuppe und kocht abends Reis und Gemüse. Dann kommt man in China satt und preiswert durch den Tag. Trotz der Laktoseintoleranz, die die meisten Chinesen haben, wird Milch und Schokolade im Land immer populärer – wir haben uns darüber sehr gefreut.

Anbei ein Link zu einem hilfreichen „Speiseplan“ (englisch – chinesisch) mit dem man fast überall gut bestellen kann.

5. Luft

Noch wichtiger als Wasser ist Luft. Bisher bin ich nie auf die Idee gekommen, diesen Unterpunkt im Länderabschluss zu thematisieren. Doch in China  scheint es notwendig. In der Taklamakan – Wüste verschlägt einem der ein oder andere Sandsturm den Atem – Tücher helfen; in Osttibet ist die Luft sehr dünn, der Körper muss sich anpassen, auch das ist zu bewältigen. Doch weiter südöstlich, in den flacheren, dichter besiedelten Regionen des Landes hilft  kein Tuch und auch der Körper will sich nicht an die zähe, schwarze Luft des Landes gewöhnen. Der gesundheitsbewusste Europäer möchte sich vor den Abgasen der Industrie und des Verkehrs mit Luftfiltern schützen, doch wie soll man so genügend Atemluft zum Radfahren kommen? Nichts hilft, wer durch China pedalt ist abends schwarz im Gesicht und muss mit gereizten Atemwegen kämpfen.

6. Sprache und Verständigung:

Die chinesischen Schriftzeichen bauen nicht logisch aufeinander auf und unterliegen nur wenigen  Regeln. Wer lesen und schreiben will, muss die Zeichen einzeln auswendig lernen (ab 2000 – 3000 gelernten Zeichen kann man Zeitung lesen, ab 6000 – 8000 Zeichen gilt man als gebildet). Chinesen kennen drei Tonlagen beim sprechen, Europäer eine (mehr zu Chinas Schriftzeichen).

Wir haben es in China meist nicht geschafft „Deutschland“ so auszusprechen, dass unser Gegenüber verstand, dass wir aus dem Land von VW, BMW und Mercedes kommen. Das unser „Ni hao“ hallo heißen soll und unser „Xiexie“ danke, ergab sich meist aus der Situation heraus! China war für uns bisher das Land, in dem wir uns am wenigsten äußern konnten – die Aussprache war für uns ein Hindernis, dass durch unsere ständigen Ortswechsel und die vielen verschiedenen Dialekte im Land unüberwindbar zwischen uns und den Chinesen stand (selbst Chinesen aus verschiedenen Provinzen verstehen sich teilweise nicht untereinander und kommunizieren dann schriftlich über ihre Zeichen).

Zwar lernen die jungen Chinesen Englisch in der Schule, doch meist half uns auch diese Sprache nicht weiter.

7. Straße:

Die Straßenverhältnisse im Reich der Mitte sind sehr unterschiedlich. Überall wird gebaut und ehemals durch Erdrutsche und Schlamm verdreckte Wege durch schmale Flusstäler, werden zu modernen breiten Straßen mit vielen Tunneln und Brücken ausgebaut.

Details zur Route: Die Straße Erkech-Tam – Kaxgar ist zurzeit (2011) eine einzige Baustelle. Die 315 Kaxgar – Huatuguo ist, bis auf wenige Oasendurchfahrten, neu und gut. Danach werden die Abschnitte kleiner und zu unterschiedlich , eine kurze Zusammenfassung: Xining – Pingan, mäßige, vielbefahrene Straße; Pingan – Tongren; durchwachsen aber gut fahrbar; Tongren – Xiahe, erst eine nervige Baustelle, dann gut; Xiahe – Hezuo – Hongxing, durchschnittlich, teilweise breiter Seitenstreifen, teilweise viel Verkehr, vor Hongxing eine Baustelle im Tunnel, der ihn einspurig macht (sehr unschön); Hongxing – Tanggor, schmale aber gut zu fahrende Nebenstraße, kaum Verkehr; Tanggor – Hongyuan – Maerkang, durchschnittlich, gut zu fahren; Maerkang – Danba, erst mäßig, dann teilweise neuere Straße;  Danba – Shimian, viele sehr unschöne Baustellen, viele, lange Tunnel in denen noch gebaut wird, teilweise schlammige von Erdrutschen bedrohte Piste und vor Shimian geht es auf neuem Asphalt permanent rauf und runter; Shimian – Huili auf der 108; zunächst auf schlechter, vielbefahrener Straße lange bergauf, vor Mianning geht viel Verkehr auf die neue Autobahn, ab hier ist die Straße OK; Huili – Luquan, der Asphalt der Nebenstrecke ist bis 30Km hinter dem Jangtse Tal durchschnittlich und das Profil sehr wellig, nach dem Aufstieg vom Jangtze (1400 Höhenmeter auf 30 Km) wird die Straße sehr gut; Luquan – Kunming auf der 108,  mäßige Straße ohne Seitenstreifen, mit viel Verkehr, kurz vor Kunming ein Tunnel der für Fahrräder eigentlich gesperrt ist, gibt aber keine Alternative; Kunming – Hekou auf der 326, hinter Kunming schlammige Baustelle, dann viel Verkehr auf sehr durchwachsenen Straßen, ab Mengzi entlastet eine Autobahn die Strecke, ab hier wird es angenehmer.

8. Verkehr:

Die Einreise nach China mit einem eigenen Kraftfahrzeug ist kostspielig. Um selbst autofahren zu dürfen,  bedarf es einer Eskortierung durch den Staat. Ausländer reisen daher entweder mit einem Fahrer, dem öffentlichen Verkehr oder dem Fahrrad.

Eigentlich fanden wir diese Bestimmung zunächst albern, haben später aber beide einstimmig festgestellt, dass wir in China nur sehr ungern selbst Auto fahren würden, da die Regeln durchaus erheblich von den europäischen Vorschriften abweichen.

Europäer navigieren üblicherweise mithilfe visueller Reize durch den Straßenverkehr (Schulterblick, Licht, Spiegel, Blick auf die Straße und den Verkehr, Warnweste ….). Chinesen orientieren sich an Geräuschen. Wer überholen möchte schert aus, wenn der Gegenverkehr  hupt,  schert er wieder ein oder signalisiert durch energisches Hupen, dass er dennoch überholen wird. Insoweit die Straße nicht einzusehen ist, da es beispielsweise durch kurvige Dörfer oder Flusstäler geht, hubt der Überholwillige gleich beim Ausscheren – kommt kein Signal vom Gegenverkehr, wird die Straße als frei betrachtet.

Weitere Regeln, die wir auf Chinas Straßen gelernt und verinnerlicht haben: gefahren und überholt wird wo Platz ist, Busse und Kipplaster haben immer Vorfahrt und sind berechtigt alle anderen Verkehrsteilnehmer von der Straße zu hupen und zu drängen, dass größte Fahrzeug darf schmale Stellen zuerst passieren, wer bei Nacht kein Licht hat hupt bei Annäherung eines anderen Verkehrsteilnehmers, Militärfahrzeuge haben noch vor der Polizei generell Vorfahrt, wenn sich zwei Polizei- oder Militärfahrzeuge begegnen wird durch ein Hupkonzert geklärt, wer den höheren Rang und damit Vorfahrt hat, Fußgänger haben auch auf engen Dorfstraßen keinerlei Rechte, Fahrradfahrer sind ohne Hupe keine ernstzunehmenden Verkehrsteilnehmer … –  Sicher gibt es noch eine Menge Regeln, die wir in unserer begrenzten Zeit im Reich der Verkehrstoten nicht begriffen haben, vielleicht sollten wir auch auf einen hiesigen Verkehrsübungsplatz gehen. Dies ist übrigens der Ort an denen Chinesen ihren Führerschein machen.

Eigentlich wollte ich die Unfähigkeit der Chinesen, einen lebensbejahenden Straßenverkehr zu organisieren mit harten Zahlen belegen, doch die Statistiken zu den Verkehrstoten im Land sind zu unterschiedlich. Die Zahlen der Regierung und der der WHO unterscheiden sich diametral – eine Diplomarbeit zum Thema wäre notwendig. Auf die Schnelle feststellen lässt sich aber, dass China bei seinen Verkehrstoten weltweit ganz vorne mit dabei ist; Indien, Russland, Brasilien, Iran und die USA geben sich allerdings viel Mühe, China in dieser Hinsicht konkurrenz zu machen. (Sieh hierzu folgende Seiten: Zukunft Mobilität – Verkehr weltweit; Süddeutsche – Der große Traum; Wikipedia- Verkehrstote)

Wer Chinas Verkehrsregeln verstehen will, muss womöglich einen Blick in die Gesellschaftsstruktur werfen – ich will es in der nächsten Rubrik versuchen.

9. Gesellschaft, Zusammenleben, Religion/Kommunismus:

China, die alte große Kultur und Maos Revolution

Wer in Europa an China denkt, denkt oft an eine alte, große Kultur; China erfand das Papier, Porzellan, unzählige Spiele,  die Seide, den Sprengstoff. Doch die Kulturrevolution unter Mao 1966-76 hat konsequent mit Chinas Traditionen und der Vergangenheit gebrochen. Sicher untermauerte der Hungertot tausender Chinesen („Der große Sprung“) diesen Bruch unter der Führung Maos (Geschichte Chinas). Neben dem Herrscher Mao und seinen Überzeugungen war kein Platz für andere Gedanken.  Nach wie vor wird das Land von der kommunistischen Einheitspartei beherrscht, die vorgibt, wie zu leben ist. Zwar erkannte diese nach dem Tod von Mao 1976, dass man dem Volk die Religion und Philosophie nicht ganz nehmen kann, doch nach wie vor gibt es starke Repressionen gegen Frei- oder Andersdenkende.

Chinas Philosophie

Die Partei hat es in den letzten Jahrzehnten geschafft, große Teile einer hungernden Bevölkerung aus der schlimmsten Armut zu holen. Bei der Umsetzung der dafür notwenigen Maßnahmen, hat sie sich immer wieder bei Teilen der alten Philosophie des Konfuzius bedient. Diese in China schon immer populäre Philosophie, die jetzt auch ganz bewusst von der Partei benannt wird, lehrt eine harmonische Gesellschaft, die dadurch hergestellt wird, dass jeder seine Position in der Gesellschaft anerkennt und ausfüllt. Konfuzius zeichnete ein Gesellschaftsbild,  in welchem der Knecht seinem Herrn eine gute Hilfe sein soll, die Frau ihrem Manne, der Sohn dem Vater etc. Die Harmonie und das Wohl der Masse stehen  in China deutlich spürbar über dem Leben des Einzelnen und auch die beschriebene Hierarchien sind im Alltag überall in der  Volksrepublik China zu spüren.

Die Philosophie im Alltagsverhalten

Nachdem Chinesen ein Hotelzimmer oder, im Lokal, einen Tisch verlassen, bleibt ein erschreckender Müllhaufen zurück. Spricht man einen Chinesen auf diesen Missstand (Missstand in europäischen Augen) an, folgt etwa diese Antwort: „Wir zahlen für Essen/ Unterkunft etc. das heißt wie stehen gesellschaftlich über den Bewirtenden und das zeigen wir auf diese Weise“.

Ein anderes Mal erkundigen wir uns bei einem Einheimischen, wie es sein kann, dass bei so viel Polizeipräsens so viele Autos kein Nummernschild haben. Die Antwort ist leicht zu erraten: „They have more power- more money than the police. And that´s the same why the policeman drive so crazy, they have more power than you.“ Schön, dass es ein Chinese mal so direkt formuliert. Wir hatten zwar schon seit Wochen das Gefühl, dass die kommunistische Partei in China einen brutaleren (auf die chinesische Lebensphilosophie angepassten) Kapitalismus etabliert hat, als wir ihn aus Europa kennen, aber so deutlich hätten wir es wohl nicht formuliert.

Übrigens haben wir nie erlebt, dass sich ein Chinese über diese Tatsachen aufregt – die Philosophie ist verinnerlicht und anerkannt. Wer sich aufregt verliert sein Gesicht und macht sich damit zum Gespött der Masse – Chinesen lächeln wenn es unangenehm wird!

Die Kluft zwischen Arm und Reich

Beschreiben muss man in diesem Zusammenhang, dass die immensen finanziellen Differenzen zwischen Arm und Reich deutlich ins Auge fallen, doch noch irritierender ist für uns natürlich, dass sich mit der steigenden Finanzkraft auch die Rechte mehren. Wanderarbeiter sind nicht berechtigt ihren Aufenthaltsort in China frei zu wählen, wollen sie in eine andere Provinz oder in eine Stadt, müssen sie dies beantragen; gleiches gilt für alle Landbewohner und Minderheiten. Mir fällt immer wieder auf, das junge Menschen in Chinas Städten deutlich größer gewachsen sind als Landbewohner; diese können sich keine teuren, guten Lebensmittel leisten.

Wieso schauen wir so besonders kritisch auf die neue Weltmacht?

China hat es geschafft dem Hunger zu entkommen. Dabei hat es eine andere Philosophie vertreten als sie in Europa heute Zustimmung findet. Wie Europa am Anfang dieses Jahrhunderts,  hat China dabei kein Augenmerk auf den Umweltschutz gelegt und wie noch ein Jahrhundert zuvor ebenfalls in Europa, kümmert sich China  hierbei nicht besonders um das Leben des einzelnen Arbeiters.

Wieso schauen wir so genau und kritisch auf diese Entwicklung? Europa hat sich schließlich auch weiterentwickelt, ohne dass Andere den Zeigefinger hoben.  Doch Andreas und ich sind davon überzeugt, dass die Zeit heute eben doch eine andere ist, die Welt steht vor anderen Herausforderungen, formulierte Menschenrechte (Menschenrechte in China) und Technologien zu Umweltschutz bestehen bereits. Zudem wird China seine Philosophie exportieren. Die Chinesen haben im internationalen Vergleich extrem wenig Schulden und halten immense US-Amerikanische Staatsanleihen, die Schwächen der EU-Wirtschaft nutzen sie zum Einkaufsbummel auf unserem Kontinent; sie werden weltweit nach ihren Prinzipien agieren können.

Tierschutz

Es ist sicher überflüssig, dass ich mich in diesem Rahmen noch ausgiebig über Tierschutz auslasse. Täglich sieht man auf der Straße, dem Markt, in Kaufhäusern, wie brutal mit Tieren umgegangen wird. Doch was ist zu erwarten, in einem Land, in dem so wenig Empathie herrscht? Zunächst sollten sicher die Menschen untereinander einfühlsamer miteinander umgehen.

Zudem lässt sich sicher leicht argumentieren, dass die Zustände in Europa oft auch tierunwürdig sind, man sie nur nicht so alltäglich sieht, weil die Fleischhersteller in Europa wissen, dass ihre Verbraucher zimperlicher sind. Dennoch erschreckt der alltägliche Anblick leidender und dahinsiechender Tiere.

Der Tod eines Mädchens, der die Chinesen beim zweiten Blick berührt

Doch es gib auch Lichtblicke und einen Weg in eine andere Richtung. Am 13.10.2011 wurde ein zweijähriges Mädchen überfahren (auch in Deutschland wurde berichtet). Der Fahrer und 18 weitere Personen halfen nicht, gingen vorüber; ein weiteres Fahrzeug führ über den kleinen Körper, bevor eine Müllsammlerin sich dem Mädchen annahm. Eine Frau, die nicht half, antwortete später, als man sie fragte, wieso sie dem Kind nicht beistand: »Warum soll ich das Mädchen anfassen, wo es die Anderen doch auch nicht angefasst haben?«. Der Fall wurde in China publik, weil eine Überwachungskamera das Drama festhielt. Das Ereignis sorgte im Nachgang für Aufregung und Diskussionen im Land und führte dazu, dass über ein Gesetz diskutiert wird, dass Helfende unter Schutz stellt. Zuvor war es oft passiert, dass Helfende nach einem Unfall für die Verletzungen des Opfers aufkommen mussten, weil sie die Einzigen waren, die am Unfallort gesehen wurden und die Richter davon ausgingen, dass nur jemand hilft, der ein schlechtes Gewissen hat/ der Verursacher ist!

Der einzelne Chinese ist meist sehr liebenswürdig

Glücklicherweise haben wir persönlich ein solches Drama nicht erlebt, doch es ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir die persönlichen Begegnungen mit Chinesen erlebten. Begegnet man ihnen anonym in der Menge oder als Verkehrsteilnehmer, sind Chinesen abweisend und unfreundlich. Doch wenn man ihnen alleine gegenübersteht, haben wir auch viel Freundlichkeit erfahren.  In Pausen am Rande ärmlicher Dörfer wird man gefragt, ob man nicht etwas essen wolle auch zu Geburtstagen wird man spontan dazu gebeten. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass der Chinese an sich unfreundlich sei, es ist das Gesellschaftssystem, was im Alltag oft „Kälte“ ausstrahlt.

10. Internetzensur:

Zensur in Presse und Medien; eins der wichtigsten Merkmale einer Diktatur – in China haben wir sie wieder erleben müssen. Die Partei hat Angst vor dem neuen Medium, sie weiß um die Kraft von Bildern und die Macht der sozialen Plattformen. Es wird daher intensiv gesperrt und gefiltert. Seiten wie YouTube, Facebook und Picasa sind nicht zugänglich. Viele Websites von Bloganbietern sind ebenso gesperrt. Daneben gibt es immer wieder Probleme beim Hochladen von Bildern, zeitweise sind Seiten wie Spiegel Online und google.de nur über Umwege zu erreichen, Artikel bei Wikipedia können nicht aufgerufen werden und viele kleine Hindernisse mehr.

Zudem ist es in einigen Städten nicht möglich als Ausländer ein Internet Cafe zu besuchen, da eine elektronische Registrierung über den chinesischen Personalausweis notwendig ist.

Dennoch hatten wir meistens Glück, fanden W-LAN oder ein Cafe welches uns akzeptierte und konnten zumindest durchgehend auf unsere Website zugreifen.

11. Als Tourist unterwegs:

Wer länger als 24h an einem Ort ist, muss sich polizeilich melden; Zelten ist für Ausländer verboten. Nur ausgewählte Hotels (in kl. Städten meist nur eines) dürfen Ausländer aufnehmen und sie melden. Natürlich haben wir hinter Sanddünen, Geröllhaufen und Büschen unser Zelt aufgestellt und uns nicht entdecken lassen. Bei der Visaverlängerung waren die „fehlenden“ Nächte kein Problem.

In Osttibet und insbesondere rund um Aba fuhren wir durch diverse Polizeikontrollen, die uns an die nächsten Stationen weitermeldeten – China wusste dort immer genau wo wir uns aufhalten und von wo wir kommen. Mal eben so illegal in die geschlossene Provinz Tibet einreisen, ist aus unserer Sicht aussichtslos, auch in die Stadt Aba hätten wir aufgrund der Vorfälle (siehe: Tibetischer Alltag …) der letzten Monate nicht radeln können.

Dennoch, die Polizisten waren stets ausgesprochen freundlich. Und auch sonst fühlten wir uns, lässt man den Straßenverkehr außen vor, in China als Touristen immer sicher.

12. Die Minderheiten im Reich der Mitte:

Große Landflächen Chinas sind nicht von Han-Chinesen bewohnt, im Reich der Mitte Leben zahlreiche Minderheiten mit zum Teil sehr abweichender Kultur. In Sichuan und Yunnan hatten wir an einigen Tagen das Gefühl, dass in jedem Tal eine ganz neue und fremde Kultur gelebt wird. Doch nicht jede Minderheit ist so klein, einige besiedeln riesige Gegenden. Ich möchte hier kurz auf die Uiguren in der Provinz Xinjiang und die Tibeter in Osttibet eingehen.

Die Uiguren

Als wir von Kirgisistan nach China einreisten, erlitten wir keinen großen Kulturschock; das Leben bleibt weiter zentralasiatisch. Die Uiguren sind Muslime. Essen,  wie die Zentralasiaten, Iraner und Türken,  viel gegrilltes Hammelfleisch und sprechen eine dem Türkischen verwandte Sprache. Viele Uiguren beherrschen die chinesische Sprache nicht und freuten sich, wenn wir in türkischer Sprache zählten.

Um Kaxgar herum ist es in den letzten Jahren immer wieder zu Aufständen gekommen. Die Uiguren fordern mehr Freiheit und Selbstbestimmung. Wir bekamen von diesen Unruhen nichts mit, sahen aber, wie die Altstadt von Kaxgar täglich durch Baumaschinen verkleinert wurde und die engen uigurischen Wohn- und Handwerksgassen, der neuen chinesischen Hochhausarchitektur weicht.

Bis zum Ende der Taklamakan- Wüste radelten wir durch Uigurenland, wobei man einschränken muss, dass auch in der Wüste die größeren und insbesondere die neuen Städte hauptsächlich von zugezogenen Han-Chinesen bewohnt sind.

Tibetischer Alltag in Qinghai, Gansu und Sichuan

Hinter Xining radelten wir in den Alltag der Tibeter hinein. Die Menschen haben sonnengegerbte, dunklere Haut und tragen traditionelle Kleidung. Am Straßenrand, an Pässen oder auf Brücken wehen Gebetsfahnen im ewigen Wind und wir radelten an schmuckvollen Klosteranlagen und Pilgerpfaden vorbei, auf denen die Gläubigen Gebetsmühlen drehen.

Ein Dalai Lama, der lange Jahre sowohl geistiges als auch weltliches Oberhaupt der Tibeter war/ zu sein beanspruchte; Gläubige, die Zylinder drehen um ihr, oder das Kama verstorbener Verwandter zu verbessern, Menschen, die sich als Gruppe sehr über ihren Glauben abheben – wir waren erst einmal skeptisch, ob die besondere Unterdrückung der Tibeter, wie sie weltweit von Interessengruppen gezeichnet wird nicht nur einem geschickten Marketing-Feldzug gleicht. Denn, dass ausgerechnet das  Feudal- Religiöse- Herrschaftssystem, welches 1950 von den Chinesen eingenommen wurde, positiv für die Menschen gewesen sein soll, war für uns durchaus fraglich.

Mit sehr viel Skepsis im Gepäck strampelten wir in die osttibetische  Bergwelt. Doch die liebevolle Natursteinarchitektur, die freundlichen, aufgeschlossenen Menschen, die farbenfrohe Welt, die Zurückhaltung und Einfachheit des Alltagsglaubens und die wunderschöne, weite Landschaft hat uns gefangen genommen. Sofort spürten wir, hier ist China nicht chinesisch.  Wir können inzwischen gut verstehen, dass die sehr kapitalistisch orientierte, chinesische Politik, die es insbesondere auf die Rohstoffe im Land abgesehen hat, für die Tibeter einen hohen Kontrast zu Ihrer eigenen Lebensphilosophie darstellt und wenig kompatibel ist. Osttibet bleibt ein Landstrich, den wir sehr gerne wieder und besser kennen lernen und erleben möchten.

Sprache: Wieder ein neues Alphabet auf unserer Route. Nicht alle Tibeter sprechen chinesisch, wenn sie merken, dass eine Verständigung über tibetisch nicht gut funktioniert, wird schon mal jemand gerufen, der chinesisch spricht – nur das können wir dann noch schlechter. Da die Tibeter, jedoch chinesisch auch eher als Fremdsprache erleben, verstehen sie unsere falsch ausgesprochenen Worte in der Regel besser, als muttersprachliche Chinesen (ich verstehe einen englisch sprechenden Polen schließlich auch besser, als einen Engländer).

Religion und Aufstand/ Selbstverbrennungen: Dass die Tibeter für mehr Unabhängigkeit und Freiheit Kämpfen ist bekannt. Der in Indien im Exil lebende Dalai Lama verfolgte Jahrelang eine Doppelstrategie. Offiziell fordert er keine Unabhängigkeit von China, dennoch war er jahrelang Oberhaupt der Exilregierung Tibets. Aktuell mehrt sich Verzweiflung und Aufruhr-Potential in einigen Klöstern, dieses Jahr kam es zu einigen Selbstverbrennungen (12 Stück bislang) in Tibet – das Ziel ist Freiheit.

13. Umgangsformen die wie an Chinesen gar nicht mögen:

Das mir das Verhalten der Chinesen im Miteinander nicht uneingeschränkt zusagt wird sicher oben schon deutlich. Hier noch ein paar kleinere Übel, die einen durch den Alltag begleiten.

Kein Recht am eigenen Bild; wann immer Chinesen etwas entdecken, was sie gerne fotografieren möchten, schießen sie es ab. Ob ein betender Mönch, ein heiliger Ort, ein radelnder Westler oder eine blonde Frau vor Ihre Linse gerät; um stilles Einverständnis wird nicht gebeten!

Chinesen haben keine Probleme damit,  im knöchelhohem Müll am Tisch eines Lokals zu sitzen. Speisereste, Servietten, alles wir einfach nach untern befördert.

Naja, und das geräuschvolle Rachen und Nase entleeren, ist auch nach drei Monaten noch ekelerregend. Insbesondere in geschlossenen Räumen.

14. Wieso wir immer wieder nach China reisen würden:

China ist wunderschön, die atemberaubende Natur fesselt! Die stillen Wüsten, die weiten Hochebenen, die majestätischen Berggipfel, die bizarren Schluchten und die Anmut der Reisterassen lassen einen nicht los. Nicht nur  ein Wiedersehen mit den freundlichen, aufgeschlossenen Tibetern würde uns freuen, sondern auch ein Kennenlernen der vielen Regionen und Provinzen, die nicht auf unserer Route lagen reizen.

China ist auf dem Weg eine Weltmacht zu werden, auch darum interessiert uns, wie die Chinesen „ticken“ und was ihre Ziele sind. Ein Land im Aufbruch strahlt natürlich Dynamik aus und wohin sich China entwickelt, wird alle Welt angehen.

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