Kambodscha

Königreich Kambodscha / Preăh Réachéanachâkr Kâmpûchéa Südost-Asien
Fläche (Weltrang: 87): 181 035 Quadratkilometer
Einwohner: 14 071 000 = 78 je Quadratkilometer
Hauptstadt: Phnom Penh
Reisezeit und Route:
Am 21.01.2012 sind wir bei Stung Treng von Laos nach Kambodscha eingereist. Unsere Visa bekamen wir problemlos an der Grenze. Bis Stung Trong folgten wir dem Mekong, um von dort, quer durchs Land, nach Siem Reap zu pedalen. Am 02.02.2012 verließen wir das Land Richtung Thailand am Grenzübergang Poipet. In den 13 Tagen pedalten wir 770 Km.
Straße und Verkehr:
Unsere Route bestand bis auf wenige Kilometer aus Asphalt; wir hatten Anderes erwartet. Die Kambodschaner sind eher wenig unterwegs und wenn auf kleinen Rollern, in überfüllten Kleinbussen oder dicht gedrängt auf der Ladefläche von Pick-ups. Dennoch war die Straße 6 nach Siem Reap nicht besonders Verkehrsarm. Unzählige, schlecht gelaunte Reisebusfahrer heizten, mit ihrer touristischen Fracht, zentimeterdicht an uns vorbei.
Wetter:
Es war heiß, wir haben viel geschwitzt. Mehr lässt sich zu den permanenten 28-30°C (im Schatten) nicht sagen.
Sprache und Verständigung:
Die Kambodschaner sprechen ausgesprochen gut Englisch. Man kommt kaum in Versuchung sich im Khmer zu probieren, da sich selbst am ländlichen Straßenstand Jemand findet, der unsere Essenswünsche versteht. Viele Kambodschaner sprachen uns allein deshalb an, um sich im Englischen zu üben. Die schön geformten Buchstaben des Khmer-Alphabets (verwand mit dem thailändischen- und dem laotischen- Alphabet) dürfen ebenfalls unverstanden bleiben; die meisten Schilder sind zweisprachig.
Geld:
So verbreitet, wie die englische Sprache, ist auch der US – amerikanische Dollar. Überall wird mit Dollar gerechnet und hantiert. Selbst in kleinen, nicht touristischen, Dörfern findet sich problemlos Jemand, der 50 US Dollar tauscht – der Dollar ist hier mehr als nur die Schattenwährung. Selbst der Eintritt für die Tempel von Angkor wird vom Staat in Dollar kassiert, gut, das die Geldautomaten ebenfalls Dollar auswerfen. Dies hatten wir zuletzt in Usbekistan.
Angst vor Minen, Schlangen und der Hitze im Zelt:
Kambodscha gehört, zusammen mit Kroatien, zu den einzigen Ländern, in denen wir nicht gezeltet haben. Etwa 250 Menschen werden noch immer jährlich durch Landminen und Blindgänger getötet oder verletzt; Kambodscha ist weltweit eines der am meist betroffenen Länder. Sicher hätten wir auf unserer Route, insbesondere zwischen Stung Trong und Seam Reap, Flächen gefunden, die uns Sicher erschienen wären, aber auch die vielen, großen, toten Schlangen, die den Asphalt schmückten, die recht günstigen Zimmerpreise und die Aussicht auf die stickige Hitze im Zelt, hielten uns davon ab, unsere mobilen „Vier Wände“ in der Landschaft zu platzieren.
Vergangenheit und Gegenwart:
Die Minen, die uns heute vom freien Entdecken im Land abhalten, sind ein Erbe der kriegerischen Vergangenheit des Landes, die noch heute blutige Schatten wirft.
Wer eine Brille trug, eine Fremdsprache sprach, eine akademische Ausbildung genoss, Arzt war …, galt als Parasit der arbeitenden Bauernschaft; wurde gefoltert oder ermordet. Geld war abgeschafft, Privatbesitz gab es nicht mehr – 2 Millionen Kambodschaner staben an den unmittelbaren Folgen der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979.
Über viele Kriege, Eroberungen und Schlachten kann man schnell hinweg lesen, wenn man sich über ein Land informiert. Über die jüngere Vergangenheit Kambodschas nicht. Es bleibt unvorstellbar, welche Jugend die älteren Kambodschaner er- bzw. überlebten.
In der Endphase des Vietnamkriegs (1975) ergriffen die kommunistischen Roten Khmer die Macht in Kambodscha. Zwar endete die Schreckensherschafft schon 1978 durch den Einmarsch der Vietnamesen, doch die Ränkespiele gingen weiter. Die Roten Khmer kämpften, durch Thailand, China und die USA unterstützt, gegen die, von den Vietnamesen getragene, Regierung. Erst 1991 wurde in Paris ein Friedensvertrag unterzeichnet. Weitere Hundertausend Menschen überlebten die durch die kriegerischen Handlungen hervorgerufene Hungersnot nicht.
32% der Kambodschanischen Bevölkerung sind heute unter 15 Jahre alt, nur knapp 4% über 65 Jahre – die Erinnerung Kambodschas ist jung. Doch auch wenn Kambodscha auf dem Papier seit 1993 eine konstitutionelle Monarchie mit einem demokratischen Mehrparteiensystem ist, leben die jungen Kambodschaner in einem korrupten Staat, in dem es de facto nur wenig Demokratie gibt.
Dennoch erscheinen die meisten Kambodschaner glücklich. Freundlich lächelnd begegnen sie uns im Alltag; nur wir schein uns zu fragen: wie kann das sein?
Mehr zur Vergangenheit und Gegenwart beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und bei Wikipedia.
Hilfe:
Uns fallen im Land die vielen Schilder der Hilfsorganisationen und deren Fahrzeuge auf. Absolut nötige Hilfe, denn Kambodschas Elite wurde eliminiert, nur 50 Ärzte überlebten die Herrschaft der Roten Khmer und die junge kambodschanische Gesellschaft benötigt eine Perspektive.
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