Kirgisistan

flagge-kirgistan

Kirgisistan / Kyrgyzstan Zentral-Asien

Fläche (Weltrang: 84): 199 900 Quadratkilometer

Einwohner: 5 144 000 = 26 je Quadratkilometer

Hauptstadt: Biškek (Bischek)

Strecke und Zeit:

Vom 25.08. bis zum 05.09.2011 haben wir das Land bereist. Auf unserer  280 km langen Route durch Kirgisistan, lagen drei Pässe (2408m, 3615m und 3770m). In Osch reisten wir über Usbekistan ein, fuhren über Gülchö und Sary-Tash nach Irkischtam, wo wir vier Tage warten mussten, bis die Chinesen Ihre Grenze wieder öffneten und wie ausreisen durften.

Wetter:

In Osch lief uns bei über 30°C der Schweiß von der Stirn und einen Tag später auf dem Chyrchyk- Pass zitterten wir bei 8°C und regen die Schlafsäcke warm. Es folgte Sonne bei 20°C, Frost in der Nacht, Wolken und viel Wind (aber immer von hinten). Wir sahen die Bergkulisse bei Nebel, Sonne, unter  Sternen und von Wolken umspielt.

Straßen und Verkehr:

Die neue Straße über den Irkeshtam Pass ist so gut wie fertig. Die mit dem Bau betrauten Chinesen  werkeln nur noch an einem Pass und wenigen anderen Stellen. Die meiste Zeit geht es also über besten Asphalt, nur der 3615 Meter hohe Taldyk Pass, der auch so schon eine Herausforderung ist, besteht noch aus geschotterter Strasse.

Sobald man Osch verlässt, lässt man auch den Verkehr hinter sich. Ab Sary-Tash teilt man sich den Asphalt eigentlich nur noch mit ein paar China- LKW, die Plastik in allen Formen und Farben nach Zentralasien bringen.

Essen:

In Osch schoben wir seit Monaten mal wieder einen Einkaufswagen durch einen russischen Supermarkt und freuten uns über Nachschub an Gewürzen, Zahnpaste und Bohnen. Danach wurde es dann allerdings wirklich karg auf unserem Teller. Wie in Usbekistan,  bekommt man keine Milchproduckte in den Dorfläden, sondern allenfalls Nudeln, Zwiebeln und immer abgelaufenes Tomatenmark. Selbst Brot und den Hartkäse „Kurt“ konnten wie meist nicht auftreiben.

Trinkwasser:

Wenn wir nach Trinkwasser fragten wurde uns stets der kleine Bach gezeigt, der durch jedes Dorf führt. Dass an ihm auch Vieh weidete störte die Bewohner wenig – wir suchten uns, soweit möglich, jedoch lieber einen Bach oberhalb von Dörfern.

Alltagsleben und Menschen:

Kirgisen sind die Norddeutschen unter den Zentralasiaten, so ist unser Eindruck. Es wird nicht viel gefragt oder gesprochen. Und sobald man in den Bergen bei den Hirten und Ihren Tieren angekommen ist, wird meist ohnehin nur noch gepfiffen oder geschnalzt.

Ein paar Hirtenjungen verwechselten uns mit Yaks, Kühen, Schafen, Ziegen, Eseln oder Pferden und warfen Steine nach uns. Weil die Eltern das nicht weiter schlimm fanden, hatten wir von den Jurtenbewohnern erst mal einen schlechten Eindruck.

In den wenigen, durchradelten Dörfern sprang uns die Langeweile an. Diese bekämpften einige Bewohner in dem sie sich vor dem örtlichen Magazin (Laden) die Vodkaflaschen zureichten – kein schönes Einkaufen.

In dem Bergdorf vor der chinesischen Grenze, in dem wir notgedrungen vier Tage bei einer Familie unterkamen, durften wir ein bisschen in das Alltagsgeschehen hineinschauen. Aber so viel Geschehen gibt es im Dorf eigentlich gar nicht.

Die Kinder wuseln wie überall um einen und wollen alles sehen und anfassen. Spielzeug haben wir keines gesehen. Die Erwachsenen bleiben auch hier eher still und zurückhaltend. Ansonsten läuft der Hund vor dem Haus auf und ab und am Morgen geht die Sonne auf.

Nach so viel Offenherzigkeit in unseren letzten Reiseländern kamen uns die Kirgisen zugegebener Maßen zugeknöpft vor, doch auf ihre stille Art waren fast alle wirklich nett und korrekt. Wahrscheinlich spiegelt die Mentalität nur das wirklich harte Leben in den kirgisischen Bergen wieder.

Sprache:

Da die Kirgisen nicht so wahnsinnig versessen auf eine Unterhaltung mit uns Touristen waren, kamen wir mit wenigen Wörtern durchs Land. Kirgisisch und Usbekisch sind wohl sehr ähnliche Sprachen und unterscheiden sich nur wenig voneinander, so dass wir unser „Danke, Hallo und Auf Wiedersehen“ aus Usbekistan einfach weiter verwenden konnten.  Unsere wenigen Worte Russisch versteht hier auch jeder. Die Englischkenntnisse  der Kirgisen erschöpfen sich meist bereits nach den Worten „hello“ und“ bye, bye“. Natürlich ist auch diese Sprachbarriere mit ausschlaggebend für die geringe Kommunikation zwischen uns.

Natur und was wir wirklich richtig schön an diesem Land fanden:

Die Landschaft in Kirgisistan hat uns verzaubert. Wir würden Jedem eine Reise in diese wunderschöne Welt empfehlen. Zwar waren die steilen Serpentinen jenseits der 3.000m hart zu erradeln, aber jede Anstrengung wurde sofort mit beeindruckenden Ausblicken über weite Täler,  Flussbetten und majestätische Berge jenseits der 7000 Höhenmeter bezahlt.

Nach Monaten in dicht besiedelten, extrem lauten Regionen, faszinierte uns die absolute Stille in den kirgisischen Bergen.  Wenig Straßenverkehr, über weite Strecken unbewohntes Gebiet, zu kalt für Grillen und Co. Lediglich der Wind übertönt gelegentlich den eigenen Herzschlag.

Zerstörte Häuser:

Die politische Lage im Land könnte besser sein. Von den Unruhen in Osch hatte ich im Artikel „Osch“ berichtet, doch bei der Ausfahrt aus der Stadt liefen uns noch einige kalte Schauer den Rücken hinunter. Ganze Straßen oder Viertel waren zerstört und teilweise verlassen. Die UN HCR war, oder ist hier mit Hilfsmaßnahmen zugegen. Wir sahen entsprechende Plakate und Baumaterial vor den nieder gebrannten Häusern, doch nicht Jeder findet den Mut in dieser Umgebung noch einmal ein Haus aufzubauen.

In den Bergen war die Armut der Bevölkerung unübersehbar und welche Chancen und Möglichkeiten die Menschen haben, die nicht als Hirten umherziehen oder beim Militär arbeiten, haben wir nicht herausfinden können.

Die Familie, bei der wir vier Tage lebten, schien sich damit über Wasser zu halten, dass der Vater ab und an sein Schweißgerät vor die Tür trug und Defektes wieder zusammensetzt.

Veröffentlichte Artikel zu Kirgisistan:

Kommentare sind derzeit nicht möglich.